Kultur : Landung in den Hackeschen Höfen

THOMAS LACKMANN

VON THOMAS LACKMANN"Al Capones Casino Royal" heißt die roaring twenties-Inszenierung im Oxymoron, dem sich der Pilot über das erleuchtete, blau umkachelte Hofplateau nähert.Aus purem Gold Vorhänge und Tapeten.Prachtleuchter, Stechpalmen, lange Theke.Der Eis-Crasher übertönt den Pianospieler.Die Zigarrenverkäuferin geht um.Mutter- & Mafiasöhnchen streichen sich dämonisch durchs Haar.Gefiederte Pailletten-Girls blinken nostalgisch.Bussibussi.Kindergeburtstag, verrucht: ein Roulettetisch mit Spielgeld.Im Keller zockt man Royal Flash.Aufgebrezelte beautiful people sind dort, nebenan, zum Casting geladen, für eine Techno-Video-Produktion.Scharade: die 20er als Annodunnemals-Eintopf! Ein TV-Team baut sich bunte Gruppenbilder.Patron Lorenzo posiert mit Zigarre.Lora M., in rotem Samt, erhebt die tiefe Stimme.Hat aber keine."Eine kleine Sehnsucht braucht jeder zum Glücklichsein." Man möchte immer anders leben, denkt der Pilot."Ich stöckle durch die Nacht ..." Kein Applaus."No gentlemen in this room", meckert Lola."In den 20ern war das anders.Dann mußten wir selber Männer werden! 1929, als ich alles verlor, wieder ganz klein anfangen mußte." Ein Vierkantbubi mit Riesenfrau fragt kieksend: "Ist der Stuhl frei?" Im "Oldfashioned Ballroom" bleibt der dancefloor leer.Hoch im Eck: Schwarzweißfilmprojektion - Hindenburg, Soldaten, ein kollabiertes Roß, Arbeiterdemo, Eisenbahnen."Was tanzte man in den 20ern?" fragen zwei farbige Teenies den Piloten.Der erinnert sich nicht.Das muß 1000 Jahre her sein."Fly me to the moon", spielt das Piano.

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