Kultur : Lange Bank

Aussichten, Rücksichten: Was das DHM plant

Michael Zajonz

Einen Termin ohne Vorbehalt mag Hans Ottomeyer nicht mehr nennen. Noch auf der Einladung zur Jahrespressekonferenz des Deutschen Historischen Museums wurde angekündigt, die seit Jahren dringend erwartete Dauerausstellung zur deutschen Geschichte im Zeughaus werde Ende 2005 eröffnet. Gestern dann sprach der DHM-Generaldirektor bei der Vorstellung des neuen Jahresprogramms von einem Eröffnungsdatum „irgendwann im Frühjahr 2006“. Beim Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, das die zur Baumaßnahme erhobene Erstausstattung seit Juni 2002 betreut (Tsp. vom 14. 12.), heißt es auf Nachfrage lapidar, den endgültigen Termin werde das Museum „voraussichtlich im Frühjahr 2005 bekanntgeben“,

Gäbe es den Ärger mit der Dauerausstellung nicht, könnte man die Jahresbilanz des DHM außerordentlich erfolgreich nennen. Über 435000 Besucher sahen bislang die Sonderausstellungen, etwa über den Ersten Weltkrieg oder den Fotografen Willy Römer. Rechnet man diejenigen hinzu, die bei Führungen, Empfängen oder Sonderveranstaltungen das Anfang Januar nach 10-jähriger Sanierung übergebene Zeughaus besuchten, kamen über 600 000. Zahlen, die sich nicht nur der exponierten Lage, sondern auch dem Programm verdanken.

Für das kommende Jahr kündigte Ottomeyer mehrere geschichtspolitisch relevante Themen an. Ende April starten eine mit dem Historischen Museum der Pfalz produzierte kulturhistorische Ausstellung über „Europas Juden im Mittelalter“ und – als Ergänzung der „Mythen der Nationen“ – die minutiöse ereignisgeschichtliche Rekonstruktion des 8. Mai 1945. Im Herbst folgt ein Ausstellungsdoppel zur Migration und Integration in Deutschland. Selbstverständlich unter Historikerperspektive: von der Reformationszeit bis heute.

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