Langsam kommt weiter : Nacho Duatos Pläne für das Staatsballett Berlin

Luxuriöser Vertrag, wenig Überraschungen, aber ein Coup: Was der Spanier Nacho Duato als neuer Intendant mit dem Staatsballett Berlin plant.

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Der neue Intendant des Berliner Staatsballetts: Nacho Duato.
Der neue Intendant des Berliner Staatsballetts: Nacho Duato.Foto: dpa

Von Aufbruchsstimmung war nichts zu spüren, als Nacho Duato gestern seine ersten Pläne für das Staatsballett Berlin vorstellte. Im August wird der 57-jährige Spanier, der zuletzt das Mikhailovsky-Ballett in St. Petersburg leitete, die Nachfolge von Vladimir Malakhov antreten. Auf die Frage, was sich unter seiner Leitung ändern werde, sagte Duato: „Der Intendant ist auch Choreograf – das macht einen großen Unterschied. Die Tänzer wissen, dass sie von einem Choreografen beurteilt werden, dass sie ihn inspirieren müssen.“

Dass er begierig darauf sei, dem Ensemble seinen Stempel aufzudrücken – diesen Eindruck konnte man aber nicht gewinnen. Seine erste Neukreation wird Duato erst im Mai 2015 herausbringen, zusammen mit „Bella Figura“ von Jirí Kylián. Zuvor gibt es zwei Übernahmen: „Dornröschen“ erlebte seine Premiere 2011 in St. Petersburg, das Bach-Ballett „Vielfältigkeit. Formen von Stille und Leere“ entstand 1999. Für die zweite Spielzeit ist er neben Kylian auch mit William Forsythe und Mats Ek im Gespräch – Namen, die nicht überraschen. Ein fulminanter Neustart ist das nicht.

Polina Semionova kehrt als Gaststar ans Staatsballett zurück

„Je langsamer man sich vorwärts bewegt, desto weiter kommt man“, kommentierte Duato seine gemächliche Gangart – die so gar nicht zu der dynamischen Kunststadt Berlin passt. Die Konditionen, die man ihm hier einräumt, sind luxuriös. In seinem Vertrag wurde nicht festgelegt, wie viele neue Kreationen er abliefern muss. Das habe er abgelehnt, so Duato.

Ein Coup aber ist ihm gelungen: Polina Semionova kehrt als Gaststar ans Staatsballett zurück. Im Oktober kann man sie beim Gastspiel des Béjart Ballet Lausanne in „Boléro“ bewundern. Zudem tritt sie in „Onegin“ und „Schwanensee“ auf. Die Befürchtung, dass Duato das Ensemble auswechselt und lauter Tänzer aus St. Petersburg mitbringt, konnte er aber entkräften. Sechs neue Tänzer werden engagiert, davon sind zwei vom Mikhailovsky-Ballett. Dafür verlassen die Solisten Rainer Krenstetter und Wieslaw Dudek Berlin.

Kein Wort über Vladimir Malakhovs Aufbauarbeiten

Über Vladimir Malakhovs Aufbauarbeit verlor Duato kein Wort. Dessen Faible für Glamour teilt er offenkundig nicht – das neue, mattschwarze Artwork des Staatsballett Berlin erinnert an Prospekte von Begräbnisinstituten. Ob er auch wegen Putins homophober Politik froh sei, nach Berlin zu wechseln, wurde Duato gefragt. Er antwortete ausweichend und war nicht einmal in der Lage, die Schwulenhetze in Russland zu verurteilen. Ein schwacher Auftritt.

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