"Lantouri" bei der Berlinale : Liebe, Wut, Vergeltung

Verstörend: „Lantouri“ von Reza Dormishia erzählt vom iranischen Rechtssystem und einer Gruppe moderner Robin Hoods, die Teherans Reiche ausrauben.

Julia Dettke
Filmszene aus "Lantouri" von Reza Dormishian.
Filmszene aus "Lantouri" von Reza Dormishian.Foto: Berlinale

Dass es bei iranischen Filmemachern aktuell dieses besondere Talent dazu gibt, den gesellschaftspolitischen Ungerechtigkeiten des Landes mit verspieltem Ernst zu begegnen, weiß man spätestens seit Jafar Panahis „Taxi“, der letztes Jahr den Goldenen Bären gewann. „Lantouri“ von Reza Dormishian nun gelingt eine ähnliche Leichtigkeit im Zugriff auf schwere Themen. Von der Todesstrafe erzählt er, von der lex talionis im iranischen Rechtssystem, die es erlaubt, Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Und von Liebe, Wut, Vergeltung und dem Verhältnis von Recht und Gerechtigkeit im Ganzen.

Im Zentrum stehen dabei zunächst die „Lantouri“, eine Art moderne Robin Hoods, die Teherans Reiche ausrauben und das Geld einem Kinderheim spenden. Es geht aber auch um Maryam, die Bürgerrechtlerin, in die sich ein Mitglied der Gang unsterblich verliebt. Also darum, was passiert, wenn theoretische Positionen der echten eigenen Erfahrung standhalten müssen. Erzählt wird das alles in collageartigen Fotoschnipseln und dokumentarisch arrangierten Interviewsequenzen: Dieses Puzzle aus Perspektiven zusammensetzen, das muss in diesem filigran verstörenden Film jeder Zuschauer selbst.

20.2., 12 Uhr (Zoo Palast)

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