Kultur : Lasst Blumen sprechen

Begegnungen: Hans-Peter Feldmann und Gitte Schäfer in der Galerie Mehdi Chouakri

Katrin Wittneven

Bekanntlich sprechen manche Menschen mit ihren Pflanzen. Über deren Antworten erfährt man dagegen selten etwas. Unklar ist es daher, ob Blumen eine Persönlichkeit besitzen, die über simple Zuordnungen von Wesenszügen wie dem Stolz der Rose und der Naivität des Gänseblümchens hinausgeht. Gedanken wie diese gehen dem Betrachter in Hans-Peter Feldmanns Ausstellung in der Galerie Mehdi Chouakri durch den Kopf. Denn die gezeigten Blumenbilder zeugen eindeutig vom sehr eigenwilligen Charakter ihrer Modelle. Geradezu vorwitzig wirken die drei Narzissen, die ihre Hälse fast aus dem Foto herausrecken und ihrerseits den Betrachter ins Visier nehmen.

Für seine jüngste Fotoserie hat der notorische Bilder- und Postkartensammler Feldmann – je nach Jahreszeit – Tulpen, Lilien und Rosen porträtiert. Arrangiert vor leuchtend farbigem Hintergrund und zu Formaten von bis zu 170 Zentimetern Höhe aufgeblasen, erinnern sie in ihrer Künstlichkeit an Osterpostkarten aus den fünfziger Jahren. Gleichzeitig reflektieren sie Fragen nach Kitsch und Schönheit und entwickeln doch so viel Wesenskraft, dass man sie als echtes Gegenüber begreift (Preise 10 000 und 15 000 Euro).

Derart eingestimmt verlieren auch die mannshohen Stelen im zweiten Teil der Ausstellung etwas von ihrem abstrakten Charakter. Die Berliner Künstlerin Gitte Schäfer hat sich aus dem Fundus von Flohmärkten bedient und Zinnschalen, Steingut und Messingvasen zu Neuadaptionen von Brancusis Endlossäule arrangiert (3300 Euro). Kombiniert mit Zeichnungen und skulpturalen Wandarbeiten werden hier aus Fundstücken Persönlichkeiten, die mal an elegante, leicht hysterische ältere Damen, mal an die verzweifelte Würde eines abgehalfterten Generals denken lassen. Der Gegenüberstellung mit dem Großmeister des subtilen Humors in der Kunst hält die 1972 in Stuttgart geborene Gitte Schäfer, die zum Berliner Art Forum mit dem Gasag-Kunstpreis geehrt wurde, locker stand. Auch ihre Arbeiten besitzen eine Leichtigkeit, die niemals Zweifel an der Ernsthaftigkeit ihrer Kunst aufkommen lässt. Beim Verlassen der Galerie verabschiedet sich die Besucherin unwillkürlich von den Blumen und wundert sich – über deren Antwort, am meisten aber über sich selbst.

Galerie Mehdi Chouakri, Edison Höfe, Invalidenstraße 117, bis 21. Oktober; Dienstag bis Sonnabend 11 – 18 Uhr.

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