Kultur : Lehrer des Jahres

Jörg Königsdorf

über die goldene Stimme aus der Slowakei Kein Tag des Jahres wird in Deutschlands Opernhäusern so nervös erwartet wie das Erscheinungsdatum des „Opernwelt“-Jahrbuchs. Ein Platz auf dem Siegertreppchen in der Kategorie „Opernhaus des Jahres“ ist wichtige Munition im zähen Kampf um Subventionen, und am Votum der vereinten Kritikerschar hängen die Karrieren von Intendanten, Regisseuren, Dirigenten und natürlich auch von Sängern. Dass der Titel „Nachwuchssänger des Jahres“ diesmal nach Berlin gegangen ist, freut natürlich – und dass der junge slowakische Tenor Pavol Breslik ein ganz heißer Anwärter sein würde, dürfte allen klar gewesen sein, die ihn zu Beginn des Jahres in Michael Thalheimers Inszenierung von Janaceks „Katja Kabanova“ an der Staatsoper gehört hatten. Als aufgeklärter Lehrer Kudrjasch ließ Breslik seinen lyrischen Tenor so richtig strahlen und bewies dazu noch ein tadelloses Stilgefühl. Der 26-Jährige, der erst in der vergangenen Spielzeit ins Staatsopern-Ensemble gekommen ist, heimste seine Auszeichnung explizit für diese Rolle ein, und da passt es natürlich gut, dass Thalheimers Inszenierung gerade jetzt noch einmal auf dem Spielplan steht. Am Donnerstag und am darauffolgenden Montag wird die „Katja“ noch einmal gezeigt, sinnigerweise als Beiprogramm zur neuen Thalheimer-Premiere am Deutschen Theater, „Faust II“. Für diese Saison sind keine „Katjas“ mehr angesetzt.Wer weiß, ob der Breslik in der nächsten Spielzeit noch mit dabei ist – die Debüts an der Met und an Covent Garden sind jedenfalls schon in Planung.

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