LESESTOFF : LESESTOFF

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Franz Albert Heinen:

NS-Ordensburgen. Vogelsang, Sonthofen, Krössinsee. Ch. Links Verlag, Berlin 2011. 216 S., 34,90 €.

Robert Ley, Personalchef der NSDAP, gab im Dezember 1933 die Zielrichtung vor: „Schulungsburgen“ seien zu errichten, postulierte er auf einer Tagung, „der Geist des Nationalsozialismus“ müsse herrschen und gepflegt werden, schließlich sollten „Ordensburgen entstehen für unsere nationalsozialistische Ordensgemeinschaft“. Nicht allein Propaganda sollte das Volk gefügig machen, Funktionäre müssten geschult werden, damit das Volk „restlos für den Nationalsozialismus erobert“ werde. Dass auch diese größenwahnsinnige Idee nur in Ansätzen verwirklicht wurde, lag an den Kriegsanstrengungen und neuen Zielsetzungen. Doch in Vogelsang (Eifel), Sonthofen (Allgäu) und Krössinsee (Pommern) sind die Ordensburgen erhalten. Franz Albert Heinen hat einen ersten Überblick über ihre Funktion im NS-System vorgelegt. Der Journalist schreibt über Bau und Architektur, bestimmt die Funktion der Kaderschulen im Regime, schildert den Schulungsalltag, benennt die Verbrechen von Ordensjunkern in der Sowjetunion und berichtet über die Nutzung der Bauwerke nach dem Krieg. Allein Vogelsang ist seit 2005 für die Öffentlichkeit wieder zugänglich, in diesem Jahr soll mit dem Umbau zu einer Bildungs- und Dokumentationsstätte begonnen werden. Sonthofen und Krössinsee hingegen werden weiterhin militärisch genutzt, von der Bundeswehr in Sonthofen, von der polnischen Armee in Pommern. Heinen bezeichnet die Überbleibsel als „monumentale Fußspuren eines größenwahnsinnig anmutenden Experiments zur Beeinflussung von Menschen im Sinne eines verbrecherischen Regimes“. Seine historischen Mosaiksteine lassen Raum für weitergehende Forschungen. Stefan Berkholz

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