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H.Rottleuthner, M.Mahlmann:

Diskriminierung in Deutschland. Vermutungen und Fakten. Nomos Verlag 2011. 474 S., 98 €. Eine Welt ganz ohne Vorurteile und ungerechte Behandlung: Das wäre das Paradies, also auf Erden unvorstellbar. Wie jedoch ein paar Schritte Richtung Paradies aussehen könnten, wird bei Lektüre dieses Buchs klar: zum Beispiel eine Ahnung davon, dass Ungleichbehandlung mehr ist als ein schwer messbares Gefühl und auf jeden Fall nichts, was man hinnehmen muss, sondern wogegen es Anlaufstellen gibt, Informationen und auch ein Gesetz. Für dieses „Allgemeine Gleichbehandlungs-Gesetz“ von 2006 unterfüttert die Studie mit Umfragedaten von Arbeits- und Sozialgerichten, was Praktiker schon lange meinen: DasGesetz, das vor fünf Jahren Brüsseler Vorgaben in Deutschland umsetzte, hat keineswegs jene Klageflut ausgelöst, die die Wirtschaft prophezeite. Ein anderes Thema ist die öffentliche Wahrnehmung von Diskriminierung – mit dem Ergebnis, dass es hier gewaltig hapert. Eine Ohrfeige auch für die Medien, denen sie Beschweigen des Themas vorwerfen. Man kann vermuten, dass auch dies ein Grund ist, warum mehr als vier Fünftel aller Betroffenen sich nicht gegen Diskriminierung wehren. Dass es nicht gut ist, sich damit abzufinden, deuten die Autoren im Vorwort an: Es gehe hier um Menschenwürde und einen empfindlichen Freiheitsverlust derer, die Diskriminierung trifft. Man könnte auch sagen: eine massiv diskriminierende Gesellschaft wird unmenschlich. Andrea Dernbach

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