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Wolfgang G. Schwanitz

Volker Koop:

Hitlers Muslime. Die Geschichte einer unheiligen Allianz. Bebra Verlag, Berlin 2012. 288 S., 24,95 €.

Als Hitler die Sowjetunion angriff, fielen ihm vier Millionen Kriegsgefangene zu, darunter Muslime aus Mittelasien. Wie Deutschland versuchte, sich die als Dschihadisten zunutze zu machen, erzählt Volker Koop in „Hitlers Muslime“. Wie im Ersten Weltkrieg sollten jene Muslime in kleinen Trupps hinter den Feindlinien Aufstände entfachen oder Überläufer anlocken. Das „Unternehmen Zeppelin“ war durchaus erfolgversprechend, sahen doch manche der Usbeken, Tadschiken oder Kirgisier die Deutschen als Befreier von den „Gottlosen im Kreml“. Die Einsatzgebiete für solche Turkmenen bildeten die Ukraine und der Kaukasus. Mitte 1942 standen schon 1600 Männer bereit. Ihre Ziele bildeten Ölanlagen, Leitungsmasten im Ural oder die Nachschublinien durch die Sowjeteisenbahn. Nach dem Stalingrader Debakel rückte das Kernziel, Unruhen oder Aufstände zu provozieren, jedoch in weite Ferne. Das hielt Berlin nicht davon ab, von der Krim aus Kommandos nach Mittelost zu senden, um Revolten im Freien Kurdistan auszulösen. Koop erhellt ein Mosaik der Berliner Islampolitik, in dem auch der Großmufti von Jerusalem auftaucht. Anders als der Autor sagt, trug Amin al Husaini seinen Titel durchaus rechtens. Und auch die These, der Mufti haben kein Konzentrationslager gesehen und das Werben der Nazis um die Araber wäre „weitgehend folgenlos geblieben“, läuft Fakten zuwider. Das Buch ist zu Mittelost schwächer, über „Hitlers Muslime“ gegen die Sowjets hingegen empfehlenswert. Wolfgang G. Schwanitz

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