LESESTOFF : LESESTOFF

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Adam Kerpel-Fronius (Hrsg.):

Freiheit, Krieg und Rache. Überleben bei den jüdischen Partisanen. Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Berlin 2012. Fünf Euro.

Eine Geschichte wie diese muss man aufschreiben, wenn man sie erlebt hat. Und man muss sie lesen, sobald man die Gelegenheit dazu hat. Jack Idel Kagan ist ein jüdischer Junge, gefangen im Ghetto von Nowogrodek. Er will nicht länger zusehen, wie die Deutschen nach und nach seine Familie und seine Freunde umbringen – und entscheidet sich zur spektakulären Flucht. Gemeinsam mit mehr als 100 anderen Ghettohäftlingen buddelt er mit bloßen Händen einen Fluchttunnel unter dem Ghetto-Zaun in den Wald. Dann schließt er sich der legendären Partisaneneinheit der Bielski-Brüder an. In den dunklen Wäldern und Sümpfen Ostpolens retten sie hunderten Juden das Leben. Doch Kagan und die Bielskis verstecken sich nicht nur. Sie kämpfen gegen die Deutschen und ihre Kollaborateure, nehmen Mann für Mann grausam Rache an antisemitischen Bauern in Ostpolen – und werden selbst zum Mythos, vor ein paar Jahren verfilmt mit James-Bond- Darsteller Daniel Craig als Partisanenführer Tuvia Bielski. „Keiner anderen jüdischen Gruppe gelang es, so viele Juden zu retten, und das über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren hinweg, inmitten eines erbarmungslos ausgefochtenen Vernichtungskrieges“, schreibt Adam Kerpel-Fronius, der Herausgeber des Bändchens mit den Erinnerungen Jack Idel Kepels. Es ist eine packende Lektüre – und ein Beleg dafür, wie wichtig es ist, dass die wenigen verbliebenen Zeitzeugen Zeugnis ablegen von ihren Erinnerungen. Die Stiftung Denkmal für die Ermordeten Juden Europas hat diesen Zeitzeugen jetzt ein Denkmal gesetzt. „Freiheit, Krieg und Rache“ ist einer der sieben Bände umfassenden Schriftenreihe. Sebastian Bickerich

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