LESESTOFF : LESESTOFF

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Schritt für Schritt ins Paradies. Handbuch zur Freiheit.

Herausgegeben von Karsten Krampitz und Klaus Lederer. Karin Kramer Verlag, Berlin 2013. 250 Seiten, 18 Euro.

Der Markt für Bücher wie dieses dürfte nicht groß sein – schon deshalb verdient es etwas Aufmerksamkeit. Im „Handbuch zur Freiheit“ finden sich serienweise Texte aus dem Spannungsfeld zwischen den Polen Sozialismus, Anarchismus und dem Ismus, in dem wir heute leben und den manche als deregulierten Kapitalismus beschreiben und erleben, andere als weichgespülten Vollkasko-Sozialismus. Wie auch immer. Es gibt noch Leute, die, munitioniert mit großen Ideen, auf die Wirklichkeit zugehen und diese im Sinn anderer großer Ideen verändern wollen. Für die ist dieses Handbuch gedacht, in dem es um die „Freiheit der Andersdenkenden“ geht (immer wieder eine große Herausforderung), um den Eigentumsbegriff bei dem Alt-Anarcho Pierre-Joseph Proudhon, um die Freiheit zum Rausch oder um Barrierefreiheit im Bordell – ein Thema wie geschaffen für die Bezirksverordnetenversammlung von Friedrichshain–Kreuzberg. Ein junger Linker mit Ansprüchen an das eigene Denken und ein sich selbst als „Geschichtenerzähler“ verstehender Autor haben das Buch zusammengestellt: Klaus Lederer von der Linken, den es jetzt in den Bundestag zieht, und Karsten Krampitz, eine Berliner Existenz. Lederer will seine Linke aus der dogmen- vernagelten Selbstbeschränkung führen, „jegliche gesellschaftliche Veränderung unterhalb der ,Abschaffung des Kapitalismus’ lohne den Einsatz nicht“. Krampitz schreibt über Leute und Milieus mit einem alltags-anarchistischen Freiheitsverständnis. Dazu gibt es Texte von Autoren wie Manja Präkels, die zeigen, wie dogmatisch und autoritär es in Teilen des jung-linken Milieus noch immer zugeht (im Unterschied zum jung-rechten oder jung-konservativen Milieu schreibt hier aber jemand kritisch und humorvoll über seine Umgebung). Manches andere erinnert indes an Hauptseminararbeiten aus dem Aktenkeller des universitären Elfenbeinturms. Von dort war es schon immer besonders weit bis zum Paradies. Werner van Bebber

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