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Wolfgang Wietzker (Hg.):

Flucht aus der DDR-Diktatur. 101 Zeitzeugenberichte. Helios Verlag, Aachen 2013. 446 S., 24,50 €.

1980 versucht Martin Braband über Bulgarien nach Griechenland zu fliehen. Er wird festgenommen und als er behauptet, er habe sich verlaufen, zeigt der bulgarische Geheimdienstler auf ein Regal mit Ordnern und fügt „lapidar hinzu, diese DDR-Bürger hätten sich auch alle in dieser Gegend ,verlaufen’“. Braband landet in der DDR im Stasi-Gefängnis und wird ein Jahr später freigekauft. Als der Bus bei Eisenach die Grenze überquert, weint er vor Freude: „Ich war 31 Jahre alt, ungebunden und freute mich auf mein ganz neues Leben in Freiheit. Besondere Erwartungen hatte ich keine.“ Die Geschichten sind ähnlich und ganz anders: 101 Berichte von Menschen, die zwischen 1949 bis zum Fall der Mauer die DDR verlassen haben, hat Wolfgang Wietzker versammelt. Im Nachwort beklagt Hans-Ulrich Klose die Verklärung der DDR durch ehemalige Funktionäre der SED-Diktatur. „Es wird verschwiegen oder verfälscht, dass der real existierende Sozialismus gescheitert ist.“ Diese Funktionäre haben solche Fluchten bis zum Ende zu verhindern versucht. Auch daran sind sie gescheitert. Moritz Schuller

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