Kultur : Licht und Wasser

Acht Entwürfe für eine Gedenkstätte an Ground Zero

Matthias B. Krause

Der Wettbewerb war der größte der Welt, doch seine Ergebnisse sind erstaunlich uniform. Die acht Entwürfe für ein Memorial am Ground Zero, die seit Mittwoch öffentlich in Lower Manhattan und im Internet ( www.renewnyc.com ) zu begutachten sind, spielen vornehmlich mit den Elementen Licht und Wasser. 5201 anonyme Einsendungen aus 49 Ländern mussten die Juroren begutachten, am Ende verständigten sie sich auf eine fast ausschließlich nationale Auswahl. Sechs der acht weitgehend unbekannten Architekten-Teams kommen aus New York.

„Die Hoffnung ist, ein Design zu finden, das beginnt, beides zu reparieren: die Wunden der Stadt und die Wunden in unseren Seelen“, sagt der Jury-Vorsitzende Vartan Gregorian, Präsident der Carnegie Corporation. Ob das gelungen ist, darüber darf gestritten werden. Bis Ende des Jahres werden die Entwürfe der Öffentlichkeit zugänglich sein, dann muss die Jury der federführenden Lower Manhattan Development Corporation (LMDC) ihre Favoriten vorstellen. Die LMDC wiederum behält sich das Recht vor, nach eigenem Gutdünken den Sieger zu küren.

Es gab nicht viele Geheimnisse, die besser gehütet waren in der Stadt, als die Ideen für die Gedenkstätte. Die Mitglieder der Auswahlkommission durften bis heute nicht mit der Presse sprechen und den Einsendern von Plänen und Modellen drohte die sofortige Disqualifikation, sollten sie vorzeitig ihre Identität enthüllen. So wollte die LMDC verhindern, dass Politiker, Wirtschaftsvertreter oder eine der vielen Interessengruppen den Prozess beeinflussen. Im Wettbewerb um den Wiederaufbau der Türme, den Daniel Libeskind gewann, hatten die Konkurrenten noch ganze Heerscharen von PR-Agenten beschäftigt, um die öffentliche Meinung und die Entscheidungsträger von ihren Konzepten zu überzeugen.

Die Anforderungen für die Gedenkstätte sind hoch. Libeskinds Masterplan sieht vor, dass der „Fußabdruck“ der beiden Türme weitgehend unberührt bleibt, außerdem will er die mächtigen Fundamente in das Konzept eingebunden sehen, und der Grund der sieben Stockwerke tiefen Wanne, auf der die Hochhäuser einst erreichtet wurden, soll zugänglich sein. Die Angehörigen der Opfer fordern, dass alle 3022 Toten der Anschläge vom 11. September namentlich genannt werden. Die Feuerwehrmänner und Polizisten wollen ihre Kollegen, die bei den Rettungsversuchen ums Leben kamen, getrennt von den Zivilisten geehrt sehen.

Am wichtigsten aber bleibt der Gesamteindruck und der ist – zumindest beim einflussreichsten Architektur-Kritiker der Stadt – nicht gerade überwältigend. Während die Boulevard-Zeitungen „New York Post“ und „Newsday“ mit den Entwürfen erstaunlich milde umgehen, schlägt Herbert Muschamp in der „New York Times“ harsche Töne an. Simplizität müsse das leitende Prinzip sein, fordert er und kommt zu dem Schluss: „Keiner der Entwürfe verdient es, in seiner derzeitigen Form gebaut zu werden.“ Die Ursache sieht er in der Eile, mit der das Projekt vorangetrieben wurde: „Es scheint, als seien wir bloß Passagiere eines superschnellen Schnellzuges, den sich unsere Repräsentanten für die Trauerarbeit ausgedacht haben.“

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