Literatur : Kehlmann korrigiert Kleistpreis-Berichterstattung

Der diesjährige Kleist-Preisträger Max Goldt ist für seinen Schriftsteller-Kollegen Daniel Kehlmann alles andere als ein "Alltagsbeobachter". Er korrigierte damit am Dienstag die Berichterstattung über seine Laudatio bei der Verleihung des Kleistpreises.

BerlinKehlmann ("Die Vermessung der Welt") sagte, er habe in seiner Würdigung nur darauf verwiesen, dass Goldt von Journalisten gerne als "Alltagsbeobachter" bezeichnet werde und hinzugefügt, diese Formulierung verrate "in ihrer Hilflosigkeit doch viel über das literarische Projekt Goldts".

Weiterhin betonte Kehlmann, er habe nicht davor gewarnt, Goldt im öffentlichen Raum zu lesen, da man bei der Lektüre des vielleicht witzigsten deutschen Schriftstellers "zu laut" lachen müsse. Vielmehr hieß es im Redetext: "Zu erwähnen, dass man bei der Lektüre seiner Bücher so lange und laut lachen kann, dass ausdrücklich davon abzuraten ist, diese im öffentlichen Raum zu unternehmen, kann im Land der traurigen Dichter schon als Abwertung verstanden werden, und nichts wäre gegenüber diesen Wunderwerken an Subtilität, diesen Spiegelkabinetten von Eleganz, Klugheit und feindosiertem Wahnsinn verfehlter."

"Kein Abschweifer, sondern ein Vertreter denkender Offenheit"

Zum "Beobachter" Goldt hieß es weiter in der Laudatio: "Beobachter: Das soll heißen, dass er genau hinsieht auf Dinge, die wir auch sehen können, wenn wir nur ein wenig aufmerksamer wären, etwas klüger, ein bisschen begabter, das Seltsame und im eigentlichen Wortsinn Bemerkenswerte zu erkennen, das uns umgibt. Aber wie er eben kein Abschweifer ist, sondern ein Vertreter denkender Offenheit, so ist er auch kein Beobachter, denn das Bestimmende an ihm ist seine Unzudringlichkeit, er späht Leuten nicht nach ... er ist bloß wie zufällig in ihrer Nähe und nimmt wahr ... Und Alltag - das bedeutet nur, dass sein Thema alles, dass bei ihm nichts von vornherein ausgeschlossen ist. Nichts ist zu nebensächlich und klein, aber auch nichts zu groß, um Inhalt seiner milden Aufmerksamkeit, Gegenstand seiner scharfen Intelligenz zu werden." (goe/dpa)


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