Kultur : Logen im Nebel: "The Skulls" zeigt Geheimbündler an einem US-College

Daniela Sannwald

"Was geheim und elitär ist, kann nicht gut sein", sagt Will und glaubt sich in dieser Hinsicht einig mit seinem besten Freund Luke. Die beiden sind Stipendiaten an einem teuren College in New Haven, und von dort aus ist der Sprung an eine der Ivy-League-Universitäten nicht mehr groß. Also rackern sie sich ab: nicht nur im Unterricht, sondern auch im Achter, denn Kinder aus der unteren Mittelklasse haben nur als Musterschüler und Spitzensportler Chancen, weitere Stipendien zu bekommen.

Aber ihr bisher so vorbildlich hoch gehaltenes Demokratieverständnis wird auf eine harte Probe gestellt, als Luke das Angebot bekommt, bei den "Skulls" aufgenommen zu werden. Das ist eine Art Studentenverbindung, die ihre neuen Mitglieder nach strengen Kriterien auswählt und sodann harten Prüfungen unterwirft. Nachdem Luke die überstanden hat, ändert sich sein Leben von einem auf den anderen Tag: Er ist jetzt "Skull", und das heißt, dass er mit Nicht-Skulls eigentlich nichts mehr zu tun haben sollte - insbesondere nicht mit Will, der berechtigtes Misstrauen gegenüber dem Geheimclub hegt.

Statt dessen wird Luke ein Gefährte aus den Reihen der Skulls zugeteilt, dem er in Zukunft verantwortlich ist. Es ist Caleb, dessen einflussreiche Ahnen seit Urzeiten Skulls waren und dessen Vater der Loge vorsteht. Ein schickes Apartment, ein Smoking, ein Auto und ein Guthaben auf dem Konto helfen Luke, seine alten Freunde schnell zu vergessen. Aber Will kann sich nicht damit abfinden und beginnt zu recherchieren, was hinter den verschlossenen Türen und hohen Mauern des Logenhauses passiert und muss seine Neugier schon bald mit dem Leben bezahlen. Erst dann wacht Luke auf.

"The Skulls" scheint die Erwartungen eines auf Gruselklamauk eingeschworenen Teenager-Publikums zu bedienen; bei genauerem Hinsehen ist er jedoch subtiler. So gelingt es ihm, die Attraktivität der privilegierten, abgeschlossenen Welt des Privatcolleges zu visualisieren: Sanftes, warmes Licht durchflutet holzgetäfelte Lesesäle, Unterrichtsräume und Sporthalle; und die Sonne des neuenglischen Indianersommers strahlt, wenn die fröhlichen, kräftigen Ruderer die College-Wettkämpfe austragen.

Für die Dosenbier trinkenden Underdogs, die früher Lukes Freunde waren, ist schon dessen Zugehörigkeit zu diesem Zirkeln ein Grund für derbe Späße. Vielleicht sollen die nur Neid und Ehrfurcht kaschieren.

Auch die im Grunde überflüssigen und sinnlosen Rituale der Loge, die dennoch und gerade deshalb so faszinierend für die neuen Mitglieder sind, setzt "The Skulls" eindrücklich ins Bild: Aus unsichtbaren Quellen aufsteigende Nebelschleier und Gestalten im Schatten verhindern die klare Sicht, und so lassen sich die Neuen, von einer aus dem Dunkeln ertönenden Stimme aufgefordert, willig mit dem Emblem der Loge brandmarken.

Und schließlich erzählt der Film auch eine Generationengeschichte. Sind die Söhne, wenn man ihnen nur genug Privilegien bietet, unbedingt bereit, die Normen und Werte ihrer Väter zu übernehmen? Es scheint so, und es bedarf nicht nur der Durchsetzungsfähigkeit des sozialen Aufsteigers, sondern vor allem auch der pragmatischen Vernunft einer Frau, um die Machenschaften der Dunkelmänner zu entlarven. Und so ist - in bester Hollywood-Tradition - auch dieser Film, der eigentlich ganz anders aussieht, ein Plädoyer für die demokratischen Grundwerte der USA.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben