Kultur : Märchen vom letzten Gedanken

LITERATUR

Michaela Soyer

Im Rollstuhl wird Edgar Hilsenrath in den Saal gebracht. Zerbrechlich sieht er aus. Er schenkt an diesem Freitagabend, seinem 78. Geburtstag, dem Archiv der Akademie der Künste seinen Nachlass. Ein Brief von Max Brod ist darunter und die handschriftliche Fassung seines ersten Romans „Nacht“. Der Schriftsteller kann selbst darüber wachen, wie mit seinem Nachlass verfahren wird. Eine Ausstellung ist geplant.

Hilsenrath überlässt anderen das Reden. Otto Sander schnoddert mit seiner heiseren Stimme aus „Jossel Wassermanns Heimkehr“. Helmut Braun, Hilsenraths Herausgeber, erzählt die Lebensgeschichte des Schriftstellers. Geboren in Leipzig, die Familie vor Hitler in die Bukowina geflüchtet. Er überlebt das Ghetto und den Einmarsch der Roten Armee. Es gelingt ihm die Flucht nach Palästina. 1975 lässt er sich nach Jahren in New York in Berlin nieder. Seine Bücher sind nicht schwermütig, wie es sein Schicksal denken lassen könnte. Die Lächerlichkeit des Bösen ist Hilsenraths Thema. Vielleicht hatte Hilsenrath nur die Wahl an den Erinnerungen zu zerbrechen oder sie in Satire zu verwandeln.

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