• Mäzen und Sammler: Die Hochschule der Künste verleiht Heinz Berggruen die Ehrendoktorwürde

Kultur : Mäzen und Sammler: Die Hochschule der Künste verleiht Heinz Berggruen die Ehrendoktorwürde

Esther Kogelboom

Seine Wärme dringt vielleicht aus den tiefen Lachfalten, die sein Gesicht durchziehen, und den lebendigen Augen hinter dicken Brillengläsern, die seiner Frau Bettina zufunkeln - Heinz Berggruen strahlt Wärme und Freundlichkeit aus, obwohl er hinter dem Rednerpult etwas verloren wirkt.

Standing Ovations konnte der Kunstsammler und Mäzen schon oft genießen, zum Beispiel, als er das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens entgegennahm, die Bayerische Akademie der Schönen Künste ihn 1998 zu ihrem Ehrenmitglied ernannte und er im vergangenen Jahr mit dem Nationalpreis der Deutschen Nationalstiftung ausgezeichnet wurde. Und trotz dieser vielen Gelegenheiten wirkt Heinz Berggruen leicht verlegen, als er die Ehrendoktorwürde der Hochschule der Künste, Fakultät Bildende Kunst, erhält - wohlgemerkt der erste Ehrendoktortitel, den die Fakultät der HdK vergibt, seit sie vor kurzem Universität geworden ist.

1914 in Berlin geboren, zog es Berggruen nach dem Abitur nach Grenoble und Toulouse, wo er Kunst- und Literaturgeschichte studierte. Später arbeitete er in Berlin für die Frankfurter Zeitung. 1935 emigrierte der Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie in die Vereinigten Staaten, um dort als Kunstkritiker in San Francisco tätig zu sein. Während des Zweiten Weltkrieges war Berggruen Sergeant - in England, Frankreich und Deutschland.

Nach dem Krieg verließ er die USA, zog nach Paris und eröffnete dort eine Galerie. Bis 1980 zeigte Heinz Berggruen in bedeutenden Ausstellungen die Arbeiten von Picasso, Matisse, Braque, Chagall und Klee sowie von Schwitters, Morandi und Laurens, was ihm die Aufnahme in die französische Ehrenlegion einbrachte. 1986 wurde er zum Offizier der Ehrenlegion berufen.

Seit Anfang der 80er Jahre widmet sich Berggruen in erster Linie seiner Sammlung klassischer Moderne mit ihren Akzenten Picasso, Klee und Matisse: Die stellte der unermüdliche Mäzen dann den Staatlichen Museen zu Berlin als langfristige Leihgabe zur Verfügung. Ausgestellt werden die Werke einer der berühmtesten Sammlungen der Welt unter dem Titel "Picasso und seine Zeit" im westlichen Stülerbau gegenüber dem Schloss Charlottenburg, den seitdem mehr als eine halbe Million Kunstinteressierte besucht haben. Eine Besonderheit der Sammlung ist ihre ständige Erweiterung: Seit der Eröffnung wurden 17 zusätzliche Werke angekauft.

"Mit der Ehrendoktorwürde habe ich eine große Verantwortung übernommen", sagt Berggruen, "nämlich die Verpflichtung, alle Kräfte zu vereinen, um die schöpferischen Impulse der Jugend zu beflügeln." Der Präsident der HdK, Professor Lothar Romain, würdigt die Tätigkeit Berggruens als "unersätzliche Brücke zwischen Kunstwerk und Rezeption". Dass der Sammler nach Jahren der Emigration in die Heimat zurückgekehrt sei, müsse man zum Anlass nehmen, alte Bande noch fester zu knüpfen. Auch Professor Robert Kudielka fragt in seiner sehr kurzweiligen Laudatio: "Wie also rühmen, was von sich aus schon glänzt?" Weiterhin rühmte Kudielka Berggruens "außergewöhnlich sicheres Qualitätsurteil" sowie seine "humanistische Nuance von Kennerschaft". Mit Augenmerk auf die Ehrendoktorwürden-Premiere der HdK sagt er: "Wir dürfen das Fehlen von Traditionen nicht verleugnen."

Und so bleibt es bei einem kleinen, bescheidenen, aber stolzen Empfang, an der neben Bettina Berggruen auch der kleine Alexander und sein Vater John Berggruen teilnimmt - die Familie aus San Francisco auf Europa- und Südafrika-Reise. Der Berggruen-Clan ist auf der ganzen Welt zuhause.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben