Kultur : Malerei von Pavel Feinstein: Knurrhahn und Seeteufel - in der Galerie Taube

Michael Nungesser

Der Fisch liegt auf hell gedecktem Tisch neben einer Schale mit Oliven. Starr blickt sein Auge den Betrachter an. Flosse und Maul sind mit einem Tuch umwickelt, als ob man dem seinem Lebenselement entrissenen mächtigen Schuppentier noch zusätzlich Gewalt antun wollte. Der "Verhüllte Fisch" ist Teil eines großformatigen Stilllebens in toniger warmer Ölmalerei von Pavel Feinstein.

1960 in Moskau geboren, studierte Pavel Feinstein an der Puschkin-Schule sowie an der Fachschule für Kunst in Duschanbe im damals noch sowjetischen Tadschikistan. 1980 verließ er die UdSSR und studierte im Westen Berlins Malerei an der HdK bei Gerhart Bergmann. Feinstein, der unter seinem bürgerlichen Namen Chmelnizkij schon drei Mal in den achtziger Jahren in der Galerie Taube ausgestellt hat, ist überzeugter Traditionalist. Russischer Realismus und Cézanne brachten ihn auf den Weg, vor allem in Stillleben und Porträt seine Erfüllung zu suchen. Während früher seine Malweise noch lockerer war und Räumlichkeit sich in der Fläche entfaltete, herrscht jetzt barock-sonores Hell-Dunkel. Den auch vom Format her dominanten Stillleben treten Figurenbilder zur Seite, in denen sich der Maler zu seinen jüdischen Wurzeln bekennt. All das verquickt sich mit grotesken und ironischen Elementen.

Fische stehen im Zentrum der aus Gefäßen und Früchten gebildeten Dingkonstellationen (zwischen 1000 und 12 000 Mark). Außer Knurrhahn und Seeteufel finden sich noch andere wundersame, von der Phantasie erdachte Wasserbewohner. Sie wirken befremdlich, als unterschwelliger Ausdruck sexueller Kraft und Sinnenfreude auch bedrohlich, furchteinflößend, manchmal komisch oder gar mitleiderregend.

In einer Reihe von Kompositionen mit nackten oder halbnackten Männern und Frauen im freien Raum, etwa "Jakob ringt mit dem Engel", "Der Selbstmörder" oder "Pastorale" (zwischen 1600 und 2800 Mark), nimmt sich Feinstein auf burleske Weise Themen aus dem Alten Testament an. Ihren Höhepunkt erreichen diese Szenen mit "Die Vollmondnacht" und "Der Tanz um das Goldene Kalb" (je 4200 Mark), in denen sich die Menschlein trunken und ausgelassen wie Kinder beim nächtlichen Ringelreihen ergötzen und den Mond anbeten.

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