Kultur : Marc Brandenburg

Daniel Völzke

Alles gleitet chromschimmernd dahin, schleudert und schlittert. Auf Marc Brandenburgs fotorealistischen Bleistiftzeichnungen wirbeln monströse Karussells umher, bis sie Schlieren über das Bild ziehen. „Tilt“ heißt die Ausstellung in der Galerie Crone, und das englische „Kippen“ bezeichnet treffend den Schwindel, den die Untersichten auslösen. Nur die Porträts strahlen in beinah verdächtiger Stille. Zwar gehören auch die Menschen irgendwie zum Rummelplatz der Welt, doch verharren sie in Ruhe: Ein McDonald’s-Clown rastet auf einer Parkbank, ein Hare-Krishna-Jünger hat aufgehört zu singen, ein bizarrer Crossdresser mit Totenschädel posiert in starrer Haltung.

Seine detailgenauen Zeichnungen (1600 – 10 000 Euro) empfindet Brandenburg häufig Foto-Negativen nach: Dunkel wird hell, hell wird dunkel. Neuerdings schneidet der 1965 geborene Künstler die Bilder entlang des Motivs aus, so dass besonders die Kleinformate unter dem Glas wie ausgestellte Schmetterlinge wirken. Durch das Nebeneinander und die Wiederholung der Motive entsteht ein Rhythmus, eine Geschichte ohne Anfang und Ende. Diese Dynamik treibt der Berliner auf die Spitze, indem er Schaufenster und Stellwände mit kleinen Reproduktionen seiner Arbeiten beklebt. Auch wenn er die Galerie diesmal nicht in Schwarzlicht taucht, ist die Brandenburgsche Wunderwelt komplett: unverwechselbar und immer kurz davor, ins Bedrohliche zu kippen (Kochstraße 60, bis 25. April, Dienstag bis Sonnabend 10 – 13 Uhr und 14 – 18 Uhr, Eröffnung heute 19 – 21 Uhr) .

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