Kultur : Marschtritt

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Sie rennen und rennen - auf das Publikum zu, dann eine abrupte Kehrtwendung. Die acht Tänzer brüllen atemlos: „Sie hätten da sein müssen - aber sie kamen nicht!“ Ein anstrengendes, sinnloses Rennen ist es - denn es führt nie zum Ziel. Nächste Szene: Ein Junge und ein Mädchen schlendern über die Bühne, gestikulieren und plaudern auf Italienisch, erblicken ein blond bezopftes Mädchen. „Signorina, signorina!“, spricht er die Blondine an. Die kommt angerannt, bremst plötzlich, folgt dem parlierenden Paar mit hektischen Schritten. „Keep on Walking“ heißt das Stück der freien Tanztheatergruppe BodyAttacksWord (Regie: Yvonne Hardt). Das Gehen steht im Mittelpunkt des Abends, verstanden sowohl als Fortbewegung als auch als Vorankommen. Ein Mädchen geht über die Bühne, ein Mann folgt ihr. Sie rempeln sich an, lächeln unsicher. „So viel könnt ich machen“, sagt sie. „Fear of decision“, wispert er. Sie legt sich seitlich auf dem Boden, strampelt mit den Beinen, als würde sie Rad fahren: bewegen, ohne voranzukommen. Die Schauspieler auf der Probebühne der Schaubühne (noch heute, 20 Uhr 30, Karten unter 694 32 39) exerzieren das Spiel der Bewegung in all seinen Formen: Sie verfallen in Alltagstrott, bleiben auf Kommando stehen, marschieren synchron, stolpern, taumeln, prallen aneinander. Und demonstrieren schließlich, dass die Voraussetzung für einen forschen Gang ganz banal sein kann: Man braucht Schuhwerk, in dem man sich wohlfühlt. Denise Dismer

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