Kultur : Mattafix

Diese Woche auf Platz 1 mit der Single „Big City Light“

Ralph Geisenhanslüke

Von manchen Städten, schrieb Brecht, werde nur bleiben, „der durch sie hindurchging, der Wind“. Hätte er die modernen Methoden der Musikproduktion gekannt, hätte er vielleicht auch den Schall erwähnt, der sie zum Vibrieren bringt – und den Städten häufig zur Zierde gereicht. Dies gilt in gesteigertem Maß für London, wo nicht nur traditionelles Beat-Handwerk blüht, sondern, seit langem auch, mit 500 Jahren Verspätung, Kolumbus’ Irrtum zu höherer musikalischer Wahrheit reift: Inder und West-Inder lassen dort schon länger ihre grundverschiedenen Wurzeln umeinander wachsen. Einer der ersten war der Reggae-Sänger Bim Sherman, der Tablas und Streicher in seine Songs einbaute. Mattafix könnten seine Enkel sein. Marlon Roudett und Preteesh Hirji, der eine mit karibischen, der andere mit indischen Vorfahren, belassen es nicht dabei, regionale Gewürze durcheinander zu rühren. Roudett spielt die Steel Drum, rappt in Patois und singt mit einem selten wehmütigen Falsett. Hirji, der Programmierer und Tontechniker, parkt dazu bei Konzerten seinen Laptop auf einem alten Ölfass. Das Album steht auf Platz 35. Newcomer ohne Medien- und Marketing-Hype, die musikalisches Potenzial mit jenem Instant-Karma kombinieren, wie echte Hits es nun mal brauchen, sind doch immer wieder ein kleines Wunder. „Matter fixed“ – zu Deutsch: alles unter Kontrolle – so erklären Roudett und Hirji ihren Namen. Stimmt.

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