Kultur : Mea maxima Cuba

Zum Tod des Autors Guillermo CabreraInfante

Gregor Dotzauer

Er konnte schreiben, was er wollte. Sein Name war vierzig Jahre lang mit einem einzigen Roman verknüpft – und wird es immer bleiben. Mit „Tres tristes tigres“ (Drei traurige Tiger) hatte sich der Kubaner Guillermo Cabrera Infante so ziemlich alle Gags geleistet, die sich ein manischer Sprachspieler leisten kann, bevor er in die reine Kakophonie verfällt. Für einen guten Schüttelreim oder einen scharfen Kalauer verschenkte er den besten Gedanken, und wie er die Leere leerer Seiten (angeblich Memoiren in Geheimtinte) oder die Schwärze eines sich über anderthalb Seiten erstreckenden Einschusslochs noch hätte steigern können, war wohl auch für ihn eine offene Frage. Cabrera Infante, am 22.April 1929 in Gibara geboren, wollte also vielleicht gar nichts mehr Weltbewegendes schreiben, weil er wusste, dass er sich nicht mehr übertreffen konnte. Und so sammelte er seine Kolumnen zu „Nichts als Kino“ oder pustete, selbst ein passionierter Zigarrenraucher, „Rauchzeichen“ in die Luft.

„Tres tristes tigres“, 1967 erstmals in Barcelona erschienen, ist neben Julio Cortázars argentinischem „Rayuela“ und José Lezama Limas kubanischem „Paradiso“ eines der drei formatsprengenden Prosawerke in der lateinamerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Tragisch ist nur, dass es in Kuba selbst, wo es im vorrevolutionären Havanna unter Batista vier bis fünf männliche Raubtiere herumtigern lässt, bis heute nicht verlegt werden darf. Während Fidel Castro Lezama Lima verehrte, erkannte er in dem Journalisten Cabrera Infante früh einen Gegner und entsorgte ihn 1962 als Kulturattaché nach Brüssel. Seit 1967 lebte der Autor in London, wo er schließlich britischer Staatsbürger wurde. Als Symbolfigur des Widerstands gegen das Castro-Regime galt Cabrera Infante jedoch auch im Exil.

In seiner erzählenden Prosa wollte der Cervantes-Preisträger von Politik nichts wissen, in seinen Essays sehr wohl. In „Mea Cuba“ rechnete er mit dem máximo líder hart ab: „Havanna ist physisch so zerstört wie Beirut, und das durch den Bürgerkrieg eines einzigen Mannes.“ Den Triumph, Castro zuerst sterben zu sehen, hat ihm das Leben nicht mehr gegönnt. Am Montag ist Guillermo Cabrera Infante mit 75 Jahren in einem Londoner Krankenhaus nach einem Sturz an einer Blutvergiftung gestorben.

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