Kultur : Medici der Moderne

Kunstsammler öffnen für einen Prachtband ihre Türen

Eva Karcher

Ein Buch, so wohl temperiert wie die Pianomusik, die in den Fünfsterne-Hotels dieser Welt durch Lounges und Bars plätschert. Zum Blättern und Drüberlesen und vor allem zum Schauen: Denn in diesem opulenten Coffeetablebook laden 22 internationale Sammler, die meisten von ihnen der Gegenwartskunst verfallen, zum virtuellen Spaziergang durch ihre Häuser und Apartments ein. Das ist fraglos faszinierend, denn alle leben mit, durch und für die Kunst. Sie zählen zu jenem Typus von Liebhabern, deren Leidenschaft sich an einem frühen Zeitpunkt der Biographie entzündete und zur lebenslangen Besessenheit wurde.

Anders als für die vielen neuen Lifestyle-Käufer war und blieb Kunst für sie „Selbsterfahrung, Entdeckungsreise, Dialog, Mission, Engagement“ und wie all die ebenso passenden wie austauschbaren Worte lauten, mit denen die Autorinnen sich den Medici der Moderne nähern. Sie erzählen deren Geschichten in beschaulicher Chronologie, ohne allerdings auf ihre jeweils ausgeprägte Persönlichkeit und ihr sehr individualistisches Temperament einzugehen.

Das ist schade, denn die manische Psychodynamik eines Sammlers wie des Hamburgers Harald Falckenberg etwa unterscheidet sich signifikant von der sensiblen Intuition der Münchnerin Inge Rodenstock, der Existentialismus einer Ingvild Goetz deutlich vom kultivierten Enthusiasmus Pierre Bergés, der zusammen mit Yves Saint Laurent das berühmte Modehaus gründete. Dennoch kristallisieren sich bei der Lektüre bestimmte Strukturen heraus, die fast alle Sammler verbinden. Sie widmen sich ihrem aufwändigen Hobby rund ums Jahr, sie leihen ihre Werke für Ausstellungen aus, gründen Stiftungen und bauen Privatmuseen. Denn sie wollen ihre Lust an der Kunst teilen, deren ästhetische und manchmal therapeutische Wirkung auch anderen zugute kommen lassen.

Die Fotos zeigen Werke und Ambiente in Großaufnahmen oder in Ausschnitten, die leider zum Teil beliebig und leicht konfus wirken. Dennoch überzeugt die Publikation, als Hommage an eine Elite, die sich der wohltuendsten aller Süchte verschrieben hat.

— Irene Gludowacz, Susanne von Hagen, Philippe Chancel: Kunstsammler und ihre Häuser.

Knesebeck, München, 2005, 240 Seiten, 58 Euro.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben