Mehr LICHT! (3) : Mönche am Meer

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Zwischen den Feiertagen wird die dunkle Jahreszeit immerhin von allerlei Lichtern erhellt – von den Baumkerzen bis zum Silvesterfeuerwerk. In unserer kleinen Serie erforschen wir leuchtende Beispiele.

Der nächste steht in der Crellestraße. Dieser Leuchtturm, ein Urgestein der Schöneberger Kneipenszene, hilft zwar auch an nebligen Abenden, verursacht aber eher eine Havarie, als dass er sie verhinderte. Wir müssen also ein paar Stunden fahren, bis wir am Meer sind und der Lichtlosigkeit entkommen, die in Berlin so bedrücken kann. Die nächsten Leuchttürme, sieben an der Zahl, stehen auf Rügen; zwei am Kap Arkona. Den älteren und kleineren der beiden, einen schönen Backsteinbau, hat Karl Friedrich Schinkel entworfen.

Und weiter geht’s zum Leuchtfeuer Dornbusch auf Hiddensee, wo man in einer kleinen Ausstellung nachempfinden kann, wie hart das Leben der Leuchtturmwärter vor der elektronischen Revolution war. Sie waren Mönche am Meer. Trugen eine gigantische Verantwortung auf ihren Schultern, die müde wurden vom Aufstehen in der Nacht und dem ewigen Stufensteigen. Wohl und Wehe der Seeleute hingen von den Hütern des Leuchtfeuers ab. Licht bedeutet Leben, dafür stehen an den Küsten dieser Welt Leuchttürme. Es hat etwas Erhabenes und Beruhigendes, wenn ihr Strahl über die Wasserfläche, die Dünen, die Dächer streift; ein göttlicher Theatereffekt. Leuchttürme sind herrlich anzusehen, wie Kirchtürme, die ihre Botschaft nicht mit Klangwellen, sondern mit gleißendem Licht aussenden, mit visuellem Glockenschlag. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden in Schottland 14 Leuchttürme errichtet, an unwirtlichen Punkten, teilweise unter dramatischen Umständen. Es waren die meisterlichen Ingenieure der Familie Stevenson, die Licht ins tödliche Dunkel brachten, Vorfahren des Schriftstellers Robert Louis Stevenson („Die Schatzinsel“). Aber nicht immer haben alle Küstenbewohner die Leuchttürme begrüßt. Jenen armen Menschen, die sich von den zahlreichen Schiffbrüchen und den angeschwemmten Gütern ernährten, waren sie ein Gräuel. Nahmen sie ihnen doch die angestammte Möglichkeit, nach einem Sturm an den Strand zu gehen und nach Kisten, Fässern und auch Leichen Ausschau zu halten.

Inzwischen selbst durch Radar und Computer und Satelliten ein bisschen arbeitslos geworden, sind Leuchttürme ein Sehnsuchtssymbol. Stille und Einsamkeit am Meer. Der Blick in die Weite, wenn man oben angekommen ist. In ihrem „Leuchtturm“-Lied verspricht Nena: „Ich geh’ mit dir wohin du willst, / auch bis ans Ende dieser Welt / Am Meer, am Strand, wo Sonne scheint,/ will ich mit dir alleine sein.“ Der Hit ist aus den frühen Achtzigern, es gibt dazu ein Video aus dem Jahr 2002. Da steht sie auf der Siegessäule und singt von der großen Liebe, was sonst.

Bisher erschienen: das Irrlicht (27.12.), das Feuerzeug (28.12.)

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