Kultur : Mehr Licht, mehr Glanz, mehr Technik Martin-Gropius-Bau und Festspielehaus renoviert

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1881 errichtet, 1981 gerettet. Der Berliner Martin-Gropius-Bau. Foto: jirka-jansch.com
1881 errichtet, 1981 gerettet. Der Berliner Martin-Gropius-Bau. Foto: jirka-jansch.com

Im Martin-Gropius-Bau herrscht die Ruhe vor dem Sturm – dem Besucheransturm des Herbstes. Am Donnerstagabend wird die Retrospektive von Hokusai durch Bundespräsident Wulff eröffnet, Ende September folgt „Polen – Deutschland. 1000 Jahre Kunst und Geschichte“, und zugleich folgt nach Kertész eine weitere Fotoausstellung. 110 Ausstellungen hat das Haus veranstaltet, seit der Bund vor genau zehn Jahren den Gropius-Bau unter seine finanziellen Fittiche genommen hat, drei Mal mehr als in den beiden Jahrzehnten zuvor, seit das 1881 eröffnete Haus 1981, genau einhundert Jahre später, aus seinem Dornröschenschlaf als abrissgeweihte Kriegsruine geweckt worden war.

Nun musste der Gropius-Bau erneut renoviert und vor allem „ertüchtigt“ werden; beauftragt wurden Pitz + Hoh Architektur und Denkmalpflege GmbH. Endlich gibt es im zweiten Obergeschoss, das von den Hauptetagen rund um den herrlichen Lichthof baulich getrennt ist, eine Klimaanlage, die die Ausleihe empfindlicher Kunstwerke gestattet. Gereon Sievernich, Direktor „am“ Martin-Gropius-Bau, verwies beim gestrigen Festakt aus Anlass der Teilsanierung auf die internationale Konkurrenz um hochkarätige Leihgaben. Sievernich ließ Zahlen sprechen: 5,4 Millionen Besucher habe das Haus seit dem Einstieg des Bundes gezählt, jeweils ein Viertel aus dem übrigen Deutschland und eines aus dem Ausland.

Das Geld floss diesmal aus dem „Konjunkturpaket II“. Kulturstaatsminister Bernd Neumann hatte daraus 100 Millionen Euro für 80 Vorhaben an Kulturbauten ergattert. Insgesamt werden 500 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket für fällige Renovierungen an Bundesbauten eingesetzt, nicht weniger als 90 Millionen davon in Berlin. Neben dem Gropius-Bau mit 11,2 Millionen Euro konnte auch das Festspiele-Haus, die einstige Freie Volksbühne, für 15 Millionen Euro technisch auf den neuesten Stand gebracht werden. So werden zum 60-jährigen Bestehen der Berliner Festspiele, das am Sonnabend mit einem Festprogramm an der Schaperstraße begangen wird (ausführlicher Bericht folgt), gleich zwei – so Neumann – „Leuchttürme“ des Bundes vermehrt strahlen.

Beide Renovierungen kommen unspektakulär daher, sind aber für den Betrieb von umso größerer Bedeutung. An der Fassade des Gropius-Baus glänzen gülden die Hermen der sandsteinernen Fensterrahmungen. Am Festspielehaus, vom Büro Eller + Eller Architekten betreut, glänzt außen nichts – dafür hat der Zuschauerraum, von Technikzubauten freigelegt, seinen sonoren Farbakkord von warmer Holztäfelung und senffarben bezogenem Gestühl zurückerhalten.

Der Bund, so betonte Bau-Staatssekretär Rainer Bomba beim Festakt, habe eine dreifache Vorbildfunktion „bei Architektur, Denkmalschutz und Energieeffizienz“. Letztere wird beim Gropius-Bau mit einer Fotovoltaikanlage auf dem Dach unter Beweis gestellt; eine Maßnahme, wie sie bekanntlich badische Häuslebauer zur Vollverglasung ihrer Dächer treibt. Im Festspielehaus wird die Effizienz eher auf der Verbrauchsseite gesteigert, etwa durch verbesserte Lichttechnik. Effizienter geht’s auch beim Bühnenumbau zu: Statt Handarbeitern verrichten im Schnürboden automatische Seilwinden ihren Dienst.

Wie weit sich der Berliner Senat vom Gropius-Bau verabschiedet hat, wurde beim Festakt deutlich: Kein Vertreter der Landesregierung nahm teil. Berlin kann’s gleichgültig sein. Das Engagement des Bundes ist, was zählt. Wer hätte vor zwanzig Jahren, am Abend der Hauptstadtentscheidung vom 20. Juni 1991, zu hoffen gewagt, dass die Bundespolitiker, gleich welcher Region sie entstammen, sich einmal derart zu Berlin bekennen würden? Bernhard Schulz

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