Kultur : Mehr vernetzen

Uta Maria Reindl

Der Kölner Galerist Joachim Blüher wird neuer Leiter der "Villa Massimo" in Rom. Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin rühmte bei der Vorstellung des neuen Akademiedirektors dessen "hohen künstlerischen Sachverstand" und verdienstreichen "Umgang mit jungen Künstlern". Blüher führt seit 1993 einen Galerieraum in der Kölner Innenstadt nahe der Galerie Michael Werner, in der er vier Jahre zuvor die grafische Abteilung geleitet hatte. Penck, Lüpertz, Baselitz und Kirkeby gehören zum festen Repertoire der Galerie, die sich auf Papier und Fotografie spezialisiert.

Der promovierte Kunsthistoriker beschritt in Köln stets einen eigenwilligen Weg, er war bekannt für seine unverblümten Kommentare zur Kulturpolitik, leistete vorbildliche Arbeit in dem gerade mal 60 Quadratmeter messenden Ausstellungsraum, der in diesen Wochen schließen wird. Dort kam es zu museumsreifen Präsentationen. Auch seine Abschlussausstellung "pièce unique" mit Meisterzeichnungen von Alberola, Anzinger, Polke, Roech und Niehaus zählt dazu. Saskia Niehaus ist eine der Künstler, die Joachim Blüher aufgebaut hat. Zu seinen bedeutenden Editionen zählt eine in Zusammenarbeit mit Rosemarie Trockel und Ulla Hahn erschienene Publikation.

Interdisziplinäres Arbeiten, wie sie die "Villa Massimo" als Förderer von Architektur, Literatur, Musik und Bildender Kunst impliziert, ist kein Fremdwort für Joachim Blüher. Neben Athen faszinierte den 1953 im norddeutschen Uelzen geborenen Kunsthistoriker Rom und "sein Schönheitsbegriff" schon als Schüler. Blühers Bewerbungsideen für den "Villa Massimo"-Posten koinzidieren mit der geplanten Neukonzeption der gerade im Sanierungs- und Modernisierungsumbau befindlichen "Villa Massimo": Nicht mehr der Länderproporz soll über die Stipendiaten-Auswahl entscheiden, auch werden die Bewerber lange vor ihrem Aufenthalt in den heimischen Arbeitsstätten über ihre konkreten Projekte in Rom befragt.

Der Angst vieler Stipendiaten, den Anschluss während des Romaufenthaltes im eigenen Land zu verlieren, will Blüher durch bewährte Kontakte entgegenwirken. Auch sollen die Künstler von ehemaligen "Villa Massimo"-Stipentiaten nach amerikanischem Muster als Senior-Advisers betreut werden. Anstelle der bisherigen Dokumentation durch Einzelkataloge plant Blüher ein ästhetisch anspruchsvolles Jahrbuch.

Damit sich die traumatische Begegnung Rolf Dieter Brinkmanns mit der römischen Kultur nicht wiederholt, will Blüher für eine stärkere Anbindung an die römische Szene sorgen. Dies vor allem mit dem Wunsch, so der zukünftige "Villa Massimo"-Chef, es "mit aller Freiheit gut zu gestalten". Ab 1. Februar 2003 wird das Haus unter der neuen Leitung wieder eröffnet.

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