Mein Leben als Film : Making Impressions

Michael J. Newman, 57, würde ein Roadmovie über sich drehen.

Beinahe könnte der Titel meines Films „All About My Mother“ sein, denn meine Mutter würde darin eine sehr sehr wichtige Rolle spielen. Sie ist jetzt 87, vor fünf Jahren hatte sie einen Schlaganfall und seitdem kümmere ich mich um sie, zu Hause in New York. Mein Besuch bei der Berlinale ist der erste Urlaub davon. Aber ich entscheide mich für den Titel „Making Impressions“. Sagen wir: als Arbeitstitel. Egal wo ich hinkomme, mein ganzes Leben lang, hinterlasse ich offenbar einen besonderen Eindruck bei den Menschen. Erst kürzlich habe ich darüber mit Freunden gesprochen.

Ich denke, mein Film wäre zu großen Teilen ein Roadmovie. Ich war in meinem Leben schon unglaublich viel unterwegs. Acht Jahre lang habe ich als internationaler Kurier gearbeitet, Dokumente durch die ganze Welt kutschiert. Etwa 75 000 Meilen habe ich pro Jahr zurückgelegt, rechnen sie das mal acht, da kommt eine Menge zusammen. Auch mit meiner Mutter war ich viel unterwegs. Jahrelang sind wir mit ihrem roten Cadillac, Baujahr 1965, quer durchs Land zum Kunstfestival „Burning Man“ in die Wüste Nevada gefahren. Dann war es ein Mustang, später ein Sprinter, in den ihr Krankenbett passte. Sie hatte ein unglaubliches Leben, war Sängerin, aß mal zu Abend mit Glenn Miller, betrieb einen Schönheitssalon. Ein Großteil des Films würde auch dort spielen. Ich als kleiner Junge, wie ich die Köpfe der Frauen wasche. Die fanden das süß. Was ich alles an Unterwäsche der 50er und 60er Jahre gesehen habe, das glauben Sie gar nicht. Denn zum Haarefärben zogen die Damen ihre Blusen natürlich aus.

Mit mir arbeitete dort Jimmy Slattery, der später als transsexueller Candy Darling in Filmen von Warhol mitspielte. Jimmy war acht Jahre älter als ich und ich habe ihn vergöttert. Mit meiner Schwester besuchte er die Kosmetikschule. Im Panorama der Berlinale läuft „Beautiful Darling“, ein Film über Candys Leben. Der Produzent bin ich. Als Regisseur für meinen Lebensfilm würde ich Clint Eastwood engagieren. Er ist gerade heraus, unbeirrt und stark, wie mein Leben. Egal was passiert ist: Ich bereue nichts.

Aufgezeichnet von Katja Reimann

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