Kultur : Mein Schuh so golden

THEATER

Denise Dismer

Um Diskriminierung vorzubeugen, haben sie männliche und weibliche Pronomen abgeschafft, es bleibt das Neutrum. Damit ein Mindestmaß an Freizeit sichergestellt ist, muss „das Mensch“ täglich je vier Stunden vor PC und Fernseher verbringen. Wir befinden uns im Jahr 2032, und die Jugend hat mit Hilfe ihrer Turnschuhe die Macht übernommen. Alle Menschen sind „gutes Bürger": gleichgeschaltet, gehorsam, verspießert. Einziger Widerständler ist ein Berliner Punk. Um den Fortbestand dieser Spezies zu sichern, schickt Gott das Punkmädchen Dudi auf die Erde, denn „ Gott liebt Punks ". Im Stück des Tik-Theaters trifft Dudi auf eine Welt, in der ein goldgerahmter Turnschuh wie ein Kruzifix an der Wand hängt, und der Top-Minister King einen mit goldenen Fransen verzierten Gummifrack trägt. Dudi trifft Männer, die sich in sie verlieben. Ihre Gefühle bringen sie in Reimen zum Ausdruck: „Du bist mein Himmel, mein Hölle, mit dir hab ich alles in Hülle und Fülle.“ Munter geht es weiter mit flachen Sprüchen und abgedroschenen Klischees: „Ein wahrer Punk würde niemals eine Ratte beleidigen!“ Der Abend im Theater Zerbrochene Fenster verläuft ohne jeglichen Charme und Spielwitz. Dass Jim Avignon das Bühnenbild mit zähnefletschenden Turnschuhanbetern verziert hat, kann daran nichts ändern. Das vorhersehbare Ende besteht aus dem Liebesakt des Punkerpärchens und einer letzten Peinlichkeit: „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann zeugen sie noch heute“ (27.-30.11., täglich 20 Uhr). Denise Dismer

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