Meister der Farbfotografie : Buchmann Galerie zeigt frühe Fotos von Joel Sternfeld

Er gilt als moderner Meister der Farbfotografie: Joel Sternfeld. Nun werden seine Arbeiten in der Buchmann Galerie präsentiert.

Angela Hohmann

Er hatte Maler werden wollen, wurde dann aber Fotograf. Zum Glück: Seit der Veröffentlichung der Serie „American Prospects“ 1987, einem Roadtrip durch die amerikanische Provinz, gilt Joel Sternfeld neben Stephan Shore und William Eggleston als moderner Meister der Farbfotografie. Der Blick des Malers für Farbe und Komposition, die Auseinandersetzung mit den Farbtheorien des Bauhauses inspirierten ihn früh dazu, mit Farbe zu experimentieren. „Ein Farbfotograf muss wie der Maler eine Palette wählen“, beschrieb er einmal treffend sein Verfahren.

Was in „American Prospects“ zur Meisterschaft kommt, lässt sich schon in den Anfängen erkennen: jenen kleinformatigen First Pictures, die von 1971 bis 1980 entstanden und vor drei Jahren erstmals in großen Retrospektiven im Essener Folkwang Museum und bei C/O Berlin zu sehen waren. Jetzt werden die Arbeiten in der Buchmann Galerie präsentiert (Pigmentdrucke, 5er Auflage, 2 Artist Prints, je 6500 Euro).

Bereits hier erweist sich Sternfeld als sensibler, mitunter ironischer Chronist seines Heimatlandes, mit untrüglichem Blick für sprechende Details, stets auf der Suche nach den Merkwürdigkeiten des amerikanischen Alltags. Im Frühjahr 1975 erfuhr Sternfeld von einem Tumor in seiner Wirbelsäule, dessen Folgen ihn im schlimmsten Fall ein Leben im Rollstuhl beschert hätten. Voller Lebenshunger begibt er sich nach Nags Head in North Carolina und schießt, auf der Suche nach dem vollkommenen Sommer, eine Serie lockerer Schnappschüsse, welche unbeschwerte Jugend und einen Hauch von Hippiegefühl aufkommen lassen.

Ein wenig im Kontrast dazu stehen die Aufnahmen, die 1976 in Chicago und New York unter dem Titel „Rush Hour“ in der Tradition der Straßenfotografie entstehen. Der hektischsten Zeit des Tages ringt er strenge Farbkompositionen und skurrile Momente ab. Der Zufall und ein gutes Auge leiten seinen Blick. In der Serie „At the Mall“ begibt sich Sternfeld in die Ödnis der Shopping Malls von New Jersey, lässt Passanten vor der Kamera mit ihren Einkäufen posieren. Die Porträts zeigen bereits jenen Sinn für Humor und die eigentümliche Irrealität des Banalen, welche Sternfeld später in der Serie „Stranger Passing“ auf die Spitze treibt.

Die eindringlichsten Aufnahmen entstanden auf Reisen für die Serie „Happy Anniversary Sweetie Face!“. Etwa jene Fotografie, die ein älteres Ehepaar in einem türkisblauen Cabrioschlitten zeigt – die Farbe der Karosserie korrespondiert mit der des Lenkrads und der Brille der Frau. Während der amerikanische Traum hier ironisch umspielt wird, erzählen andere Bilder von Armut, Verwahrlosung, Vorstadtsiedlungen. Auch das bereits „American Prospects“.

Buchmann Galerie, Charlottenstr. 13; bis 26. April, Di–Sa 11–18 Uhr

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