Kultur : Menschen 2000 (Kommentar)

Christiane Peitz

Wissen Sie, wie "Der Mensch 2000" aussieht? Nicht ein gewöhnlicher Mensch wie der Mann, den Sie morgens rasieren oder die Frau, die Sie tagtäglich schminken, sondern der Mensch an sich - im Licht des immer noch neuen Jahrtausends? Wollen Sie es wissen? Dann werfen Sie am Sonnabend einen Blick in die Bild-Zeitung. Bild nämlich plant für diesen Tag "Deutschlands größte Kunst-Aktion mit Prof. Immendorff". Prof. Immendorff - er heißt im wirklichen Leben Jörg, ist Kneipier und Bildender Künstler - hat ihn gemalt, den Menschen 2000: so groß wie eine Bild-Zeitungsseite. Also doch nicht so richtig groß. Noch kleiner - in einer bereits veröffentlichten Vignette - stakst eine "nackte gebeugte Frau" (Bild) am Stock. Womöglich verkörpert die Dame ja einen Menschen aus jener Epoche, in der auch Prof. Immendorff in seiner Kunst mit politischen Invektiven nicht geizte.

Die größte Kunst-Aktion? Das Bild ist nicht das größte, der Künstler auch nicht (es gibt noch mehr von diesem Format im Café Deutschland). Groß immerhin ist die Zahl der Betrachter. Über vier Millionen an einem Tag, das schafft kein Museum der Welt. Nun ist das Bild für Bild zwar nur ein Bild vom Bild und nicht das Original, aber wir wollen nicht kleinlich sein. Denn die Kommentare zum Bild, das noch keiner kennt, die sind wirklich die größten. Franz Beckenbauer: "Kunst in der Bild - finde ich richtig gut". Darauf Professor I.: "Beckenbauer hat mir den Tag verschönt." So sind sie, die Menschen 2000.

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