Merchandise in der Berghain-Kantine : Gegen die Gitarrenwand gerannt

Die Rockband Merchandise aus Florida enttäuscht bei ihren Berlin-Konzert in der Kantine des Berghain. Auf ihre vierte Platte, die demnächst erscheint, kann man sich aber freuen.

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Merchandise aus Florida. Foto: Timothey Saccenti/4AD
Merchandise aus Florida.Foto: Timothey Saccenti/4AD

Es läuft nicht rund für Merchandise in der Kantine am Berghain. Nur 40, 50 Zuschauer haben sich eingefunden, der Sound ist anfangs miserabel, auf der Bühne scheint das ähnlich zu sein: Von der Würde, der Grandezza, die der Gesang von Carson Cox auf Platte transportiert, ist nichts erkennbar: Er singt nicht mit der Band, er singt gegen sie, versucht, seine Stimme irgendwie zwischen die Gitarrenwände der Kollegen zu schieben. Er bemüht sich, trotz der widrigen Umstände Rockstar zu sein, wirft den Schellenkranz in die Luft, spielt mit dem Mikrofonständer. Und dann geht auch noch die Snaredrum kaputt. Es folgt ein minutenlanger Monolog, in dem der 27-jährige Cox erklärt, dass das Leben als Musiker das einfachste nicht sei. Und in der Tat hat man Mitleid mit dem Mann, der ein wenig an Win Butler von Arcade Fire erinnert.

In den USA werden Merchandise gefeiert. Im letzten Jahr wurde über kaum eine Band mehr gebloggt. Dass das Quintett aus Florida schließlich bei 4AD unterschrieb, der legendären Plattenfirma, auf der unter anderem die Pixies, Iron & Wine und The National veröffentlichen, verwunderte kaum jemanden. Dort wird in ein paar Wochen ihr neues Album erscheinen, eine sehr gute Platte, die Postpunk und den Gestus der frühen U2 mit gloriosem Lärm verbindet und dabei etwas völlig eigenes schafft. Merchandise werden sich am Ende des Jahres in vielen Bestenlisten wiederfinden. An dieses Konzert wird sich niemand mehr erinnern.

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