Kultur : Merkel & more

Das Jüdische Museum Berlin feiert 10. Geburtstag

„Spätestens nach zehn Jahren sollte man eigentlich seine berufliche Stellung wechseln“, scherzte Michael W. Blumenthal, als er am gestrigen Freitag das Programm zum 10-jährigen Jubiläum des Jüdischen Museums Berlin vorstellte. Der vor 85 Jahren in Oranienburg bei Berlin geborene frühere US-Finanzminister ist seit 1997 Direktor des im Herbst 2001 eröffneten Jüdischen Museums Berlin – das er ursprünglich „höchstens 18 Monate“ leiten wollte. Aber die Erfolge des als Blitz in Metall und Beton vom New Yorker Architekten Daniel Libeskind erdachten Hauses haben alle anderen Pläne Blumenthals über den Haufen geworfen. Mit ungebrochener Energie pendelt er seitdem zwischen seinem Wohnort Princeton und dem einst wegen der NS-Verfolgung geflohenen Kindheitsort Berlin.

Gefeiert wird der 10. Geburtstag des Museums am 24. Oktober. Zunächst dirigiert Daniel Barenboim Bruckners 7. Sinfonie mit der Staatskapelle in der Berliner Philharmonie. In der früheren Blumenmarkthalle gegenüber dem Jüdischen Museum in der Kreuzberger Lindenstraße, wo Libeskind derzeit einen Erweiterungsbau realisiert, wird Bundeskanzlerin Angela Merkel dann im Rahmen eines „Jubiläumsdinners“ der „Preis für Verständigung und Toleranz“ verliehen. Die jährliche Auszeichnung geht sonst an zwei Personen, zuletzt wurden der Hamburger Mäzen Jan Philipp Reemtsma und der Wirtschaftsmanager Hubertus Erlen bedacht. Diesmal soll mit der Kanzlerin, so Blumenthal, symbolisch „auch der Bundesregierung und damit der Bundesrepublik Deutschland“ für ihr Engagement zugunsten des Museums „gedankt werden“. Man erwartet dazu mehrere hundert prominente Gäste, unter ihnen Mitglieder des US-Kongresses, Blumenthal selbst wird die Laudatio halten.

Flucht und Vertreibung, Einwanderung, Integration und das Miteinander von Kulturen sind wesentliche Themen, denen sich das jährlich von 750 000 Menschen (darunter 70 Prozent Berlin-Besuchern) frequentierte Museum künftig verstärkt widmen möchte. „Visionen der Zugehörigkeit: Juden, Türken und andere Deutsche“ lautet das Thema des „Jubiläumskongresses“ am 29. Oktober, der am Vorabend mit einer „Kleinen deutschen Volkskunde“ als „Bestandsaufnahme der Diversität in Deutschland“ beginnen soll. In dem für rund 11 Millionen Euro installierten Erweiterungsbau des Museums in der ehemaligen Blumenmarkthalle will man sich ab der Eröffnung im kommenden Jahr mit pädagogischen und wissenschaftlichen Programmen auch dem jüdisch-islamischen Verhältnis („zwei Minderheiten im Einwanderungsland Deutschland“) beschäftigen. Außerdem ist nach zehn Jahren an eine Veränderung der Dauerausstellung gedacht. Neben der Erinnerungskultur sollen vermehrt Akzente mit Blick auf Gegenwart und Zukunft gesetzt werden. Darüber hinaus werden demnächst drei Berliner Schulen benannt, mit denen man neue Modelle des Geschichtsunterrichts für Migrantenkinder entwickelt hat. Peter von Becker

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