Kultur : Methode Münchhausen - Das RSB will sich selber retten

F. H.

Was der Vorstand des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin (RSB) gestern als "Positionsbestimmung aus eigener Sicht" vorstellte, wirkte wie der Versuch, sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zu ziehen. Dem ältesten Radio-Klangkörper Deutschlands nämlich droht ein Stellenabbau von 114 auf 85 Planstellen. Weil die Rundfunkorchester und -chöre GmbH (ROC), der das Ensemble angehört, in den kommenden vier Jahren sechs Millionen Mark aus ihrem 56-Millionen-Etat einsparen muss, hat Intendant Dieter Rexroth vorgeschlagen, ein neues RSB entstehen zu lassen: Aus dem Traditionsorchester, das sich in seinem Profil kaum von den Berliner Konkurrenten unterscheidet, soll ein verschlanktes Ensemble werden, das mit mittelgroß besetzten Werken und Schwerpunkten in Vorklassik und Moderne eine Lücke im hauptstädtischen Musikmarkt ausfüllt. Die Musiker allerdings sehen darin eine "planmäßige Zerstörung der Identität des RSB". Und da sie "am besten wissen, welche Potenzen das Orchester hat", gibt es nun einen Gegenvorschlag.

Der allerdings konzentriert sich ganz auf inhaltliche Profilierungsmaßnahmen: So will man moderierte Konzertreihen starten, in denen Welt- und Musikgeschichte jeweils eines Jahres zusammengebracht werden, oder in denen das Vermittlungsproblem zeitgenössischer Musik auf "assoziativ-spielerische" Art gelöst werden soll. Da das RSB das "absolute Limit" bei 97 Musikern sieht - "wir möchten nicht als Sparschwein der GmbH missbraucht werden" - bietet er an, neun Stellen einzusparen (insgesamt muss die ROC rund 35 Stellen abbauen): "Jetzt müssen uns die anderen Mitglieder entgegenkommen." Die haben dazu bis Ende März Zeit - dann wird die Entscheidung über die Zukunft der ROC fallen.

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