Kultur : Mexico: Hochkulturen und permanente Revolution

Regina Villavicencio

Mehr als 2000 Jahre Geschichte Mexikos, knapp umrissen auf rund 200 Seiten. Das kann natürlich kein Nachschlagewerk für den Experten sein, sondern eher ein Reisebegleiter für den Touristen, der sich schnell einen historischen Überblick über das 11 000 Kilometer von Mitteleuropa entfernt liegende Land verschaffen will. Die in Mexiko lebenden Autoren erklären im ersten Drittel ihres Buches Rituale, Religion, Städte und Kunstwerke indianischer Hochkulturen wie die der Olmeken, Maya und Zapoteken und der Azteken. Gerade für Nicht-Experten wäre es aber nicht nur an dieser Stelle hilfreich, wenn für sie eine Landkarte abgedruckt worden wäre.

Ruhl und Ibarra gehen im nächsten großen Kapitel auf die politischen und wirtschaftlichen Strukturen der Kolonialzeit ein und beschreiben schließlich den Weg in die Unabhängigkeit sowie die Umbrüche im 19. Jahrhundert. Im letzten Kapitel setzen sich die Autoren mit den 1910 beginnenden, langen und blutigen Revolutionswirren auseinander. Obwohl die Präsidenten Mexikos nie ein Ende der Revolution proklamiert haben, geht für die Historiker dennoch 1940 die Revolutionszeit zu Ende, schreiben Ruhl und Ibarra. Die folgenden Jahre werden die "institutionalisierte Revolution" genannt, um die ruhigere Entwicklung von den bewaffneten Auseinandersetzungen abzugrenzen.

Anschaulich wird in einem gesonderten Teil das mexikanische Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg beschrieben. Die günstigen wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen lockten viele Ausländer an und förderten die einheimische Investitionstätigkeit. Doch nur eine kleine Oberschicht wurde immer reicher.

Das neueste Kapitel des modernen Mexiko wird in diesem Buch nicht aufgeschlagen: der überragende Sieg der Opposition über die "perfekte Diktatur" (Mario Vargas Llosa) bei den Präsidentschaftswahlen am 2. Juli. Nach 71 Jahren muss die Staatspartei PRI (Partei der Institutionalisierten Revolution) nun die Macht an die Konservativen abgeben. Dennoch wird der Leser schon auf diese historische Zeitenwende vorbereitet. Die beiden Autoren weisen ausdrücklich darauf hin, dass die konservative Opposition in den letzten Jahren fast alle Wahlen in den nördlichen Bundesstaaten gewonnen hat und das Bündnis der linken Parteien in einigen südlichen Staaten Erfolge verbuchen konnte. Damit wurde schon deutlich, dass sich die allgegenwärtige Staatspartei mit ihrer Wahlgewinn-Maschinerie selbst durch den üblichen Stimmenkauf nicht mehr retten konnte.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben