Kultur : „Mich interessiert das Allzumenschliche“

Tagesthemenmoderator Ulrich Wickert, der Großmeister der Wetter-Worte, über seine literarischen Ambitionen

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LITERATUR

Ein weiteres Sachbuch von Ulrich Wickert wäre keine Überraschung gewesen. Jetzt legen Sie aber einen Kriminalroman vor. Warum dieser Genrewechsel?

Aus reiner Lust und Laune. Der Krimi erlaubt eine andere Art des Vermittelns. Krimis gehören seit eh und je zu meiner Entspannungslektüre. Und nun hatte ich vor mehr als fünfzehn Jahren die Idee zu einem Plot, der hier nicht verraten werden soll. Allerdings habe ich mich lange Zeit nicht an dieses Genre herangetraut. Dann habe ich mich in meinem letzten Frankreichbuch vorgewagt und die „Sachgeschichten“ erzählerisch beschrieben, viel Dialog verwendet und Anekdoten eingeflochten, die vom Leben der Menschen handeln. Denn nichts interessiert mehr als das „Allzumenschliche“. Nun habe ich einen weiteren Schritt vollzogen, indem ich das „Allzumenschliche“ und das Anekdotische in eine Handlung einbinde, die – so hoffe ich – spannend ist.

Im Untertitel steht: „Eine fast wahre Geschichte“. Das liest sich wie eine Warnung an den Leser, die kommenden 250 Seiten nicht allzu ernst zu nehmen.

Erstens: Die Geschichte ist erzählt, und Figuren und Handlungen sind frei erfunden, obwohl der Kern „wahr“ ist. Zweitens erleben wir Journalisten fast täglich im Umgang mit Meldungen, dass viele Tatsachen eben nur „fast wahr“ sind – das hat in diesem Jahr die Berichterstattung über den IrakKrieg bestens belegt. Wir können bei bestem Willen und allen Anstrengungen häufig nur in die Nähe der „wahren Geschichte“ gelangen.

Hand aufs Herz, Herr Wickert: Haben Sie einen klassischen Whodunit-Krimi geschrieben oder eine Geschicht’ von der fragilen Moral der Franzosen in den besseren Kreisen?

Da der Richter einen Mörder sucht, handelt es sich zunächst um einen klassischen Kriminalfall. Da aber das Opfer die Schlüsselfigur in einem Geflecht schwarzer Kassen einer politischen Partei ist, geht es auch um die in Frankreich üblichen Gebräuche.

Die Story in wenigen Sätzen?

Das wird mir kaum gelingen. Nur soviel. Hauptfigur ist der Untersuchungsrichter Jacques Ricou, übrigens eine mir sympathische Figur, der nach Martinique reist, um dort einer Spur nachzugehen. Er sucht den Mörder eines französischen Generals, der in Paris die schwarzen Kassen einer französischen Partei führte. Doch in Martinique angekommen erfährt Jacques, dass der vermeintliche Mörder, ein Bananenpflanzer, im Alter von neunzig gerade gestorben ist. Aber er trifft auf dessen Witwe Amadée. Während Jacques versucht Mord und die Affäre um die schwarzen Kassen aufzuklären, führt ihn die Biografie des in Martinique gestorbenen Planteurs in dunkle Zeiten französischer Kolonialgeschichte.

Am Schluss halten sich der Untersuchungsrichter Jacques Ricou und die junge Kreolin Amadée glückselig in den Armen. Alles sieht nach einem Happyend auf Martinique aus. So viel Romantik hätten wir Ihnen gar nicht zugetraut.

Ob es ein Happyend gibt oder nicht, das bleibt eigentlich offen. Denn der Leser muss sich selbst die Antwort geben, ob Jacques dem Angebot Amadées folgt – oder nach Paris zurückfährt.

Wann ist der Roman für Sie ein Erfolg?

Wenn sich der Leser unterhalten fühlt.

Ihr nächstes Buch ist ...

... noch nicht angedacht.

Das Gespräch führte Joachim Huber .

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