Kultur : Michael Schindhelm im Gespräch: "Ich habe die Ideen"

Herr Schindhelm[gut informierte Kreise wollen wis]

Michael Schindhelm ist seit 1996 Intendant des Theaters in Basel. Zuvor leitete der studierte Quantenphysiker Theater in Nordhausen und Gera. Schindhelm, der kürzlich wegen seiner Mitarbeit bei der Stasi, zu der er als Student im russischen Woronesch gezwungen wurde, Schlagzeilen machte, hat soeben seinen zweiten Roman "Das Glück des Westens" veröffentlicht.

Herr Schindhelm, gut informierte Kreise wollen wissen, dass Berlins Kultursenator intensiv mit Ihnen über die Intendanz der Staatsoper verhandelt.

Da irren die Informierten. Ich habe mich zwar mehrfach mit Senator Stölzl am Rande von Veranstaltungen unterhalten, aber Verhandlungen gab es nie.

Interessiert Sie der Posten nicht?

Die Staatsoper ist vielleicht tatsächlich das Haus in Deutschland, an dem eine gegenwartsnahe Oper behauptet werden könnte. Sie profitiert vom Genius des Ortes. Aber ich habe auch einen Vertrag in Basel und möchte meine Mitstreiter nicht im Stich lassen. Überall, wo ich bislang Intendant war, habe ich Häuser neu strukturiert, in Nordhausen/Sondershausen wie in Altenburg/Gera habe ich Fusionen umsetzen müssen - und dabei die schmerzliche Erfahrung gemacht, dass jede Zusammenlegung unendlich viel Komplikationen mit sich bringt. Auch in Basel mussten wir das Haus von Grund auf verändern. Eine Fusion der künstlerischen Apparate beider großer Berliner Opern wäre mit mir nicht zu machen gewesen.

Die ist ja nun vom Tisch.

Jetzt gibt jetzt überhaupt keine Reform mehr. Thielemann und Barenboim bleiben an ihren Häusern, die Position der Orchester, die ja ohnehin nicht gerade den flexibelste Teil im Gesamtkunstwerk Opernhaus vertreten, wird enorm ausgebaut. Sie wissen, dass ich auch im Gespräch war, als die Intendanz der Deutschen Oper neu zu besetzen war. Damals gab Peter Radunski die Order aus, Generalmusikdirektor Thielemann müsse in Fragen der Leitungskompetenzen seinem Staatsopern-Kollegen Barenboim gleichgestellt werden. Da habe ich dankend abgelehnt. Jeder Intendant muss das Letztentscheidungsrecht für sein Haus haben, damit er seine Vision realisiern kann. An dieser Position hat sich nichts geändert.

Mit anderen Worten: Wenn man Ihnen an der Staatsoper einen Vertrag anbieten würde, der eindeutig festlegt, dass der Intendant der Chef ist, würden Sie dann nach Berlin kommen?

Noch einmal: Ich hatte zu keinem Zeitpunkt den Plan, meinen Posten in Basel vorzeitig aufzugeben. Abgesehn davon bin ich aber der Überzeugung, dass der Senat mit Barenboim ganz klare Verabredungen über seine künftigen Kompetenzen treffen muss. Barenboim selber hat ja erklärt, dass er die künstlerische Leitung abgeben will, um sich ganz auf die Musik zu konzentrieren. Wenn Berlin eine hochqualifizierte Persönlichkeit haben will, muss man dem Quander-Nachfolger Handlungsfreiheit auch in programmplanerischen Fragen garantieren können.

Bislang haben Sie immer Mehrspartenhäuser geleitet. Könnten Sie sich für die Zeit nach 2004 auch einen Job an einem Einspartenhaus vorstellen?

Was Deutschland in der Kunstwelt interessant macht, sind weniger Bildende Kunst, Design oder Film, es ist die Ressouce Theater. Die Sprechbühnen haben in den letzten Jahren viel Neues gewagt. Die Oper dagegen verharrt noch zu oft in alten Mustern. Ich habe jede Menge Ideen, wie man das Musiktheater konsequent weiterdenken kann. Hier in Basel haben wir viel gewagt und dafür von der Presse viel Lob bekommen, vom Publikum aber auch Unmut hinnehmen müssen. Natürlich lässt sich an einem großen Opernhaus manches denken, was wir in Basel nicht realisieren könnten.

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