Kultur : Miguel Barrosos Kuba-Krimi mit Schwung

Jennifer Wilton

Nach zehn Jahren Gefängnis ist die wiedergewonnene Freiheit so ungefähr das einzige, was Martin Losada besitzt. Da aber auch die im Franco-Spanien von 1958 eher begrenzt ist für den, der im spanischen Bürgerkrieg, als sich sogar die Familien spalteten, auf der falschen Seite kämpfte, tut er gut daran, das Weite zu suchen.

In Kuba hofft er seinen ehemaligen Komplizen Dalmau zu finden. Von dem verspricht er sich das, was er im Moment am meisten braucht: einen loyalen Freund und finanziellen Unterstützer. Präziser gesagt: Er hofft, endlich seinen Anteil an der Beute aus dem Bankraub zu erhalten, für den er, im Gegensatz zu seinem Freund, in Haft kam.

Miguel Barroso setzt in seinem Erstling ganz auf die klassischen Zutaten eines Kriminalromans nach Art des Krimikönigs Chandler. Er beschreibt das zwielichtige Milieu der Unterwelt Havannas in den ausgehenden Fünfzigern, das liefert ihm den passenden Hintergrund. So bewegt sich sein Held, auch der ein typischer Kerl, ganz wie vom Krimigenre gewohnt ein Zyniker, doch zugleich ist er auch ein moralisch hoch integrer Mann.

Zwischen schummrigen Tanzlokalen, Nachtbars und halbseidenen Ganoven, kubanischen Zigarren und Daiquiris, fehlt auch der große Mythos Kubas, Ernest Hemingway, in der Kulissengestaltung nicht.

Zur Suche nach seinem Freund kommt bald noch die Aufklärung eines Mordes. Und der wird, wie es in so einem Fall üblich ist, auch nicht der einzige bleiben. Sehr schnell stellt sich heraus, dass die wirklichen Drahtzieher des Übels in den Führungsreihen des korrupten Regimes zu suchen sind. Den Störenfried ihrer dunklen Machenschaften scheuen sie sich nicht auch mit wenig legalen Mitteln aufzuhalten.

Losada allerdings läßt sich nicht mehr abschrecken: es geht ihm schließlich um nichts weniger als die Wahrheit. Die offenbart sich in der Sylvesternacht zum Jahre 1959, in der es zum großen Finale kommt. Wie im ganzen Roman flankieren auch dort historische Ereignisse die Handlung. Gerade als Losada das letzte Geheimnis enthüllen kann, ist die Führungselite des Batista-Regimes auch schon dabei, sich ins Ausland abzusetzen.

Auf den Straßen herrscht das Chaos, ein Revolutionär namens Castro, zurück aus seinem Partisanen-Hauptquartier in der Sierra Maestra, ist im Begriff, das Kommando zu übernehmen und in Santiago de Cuba den Sieg der Revolutionäre auszurufen. Es scheint, als hätte die Gerechtigkeit zunächst tatsächlich mal gesiegt.

Der Schwung kommt Barroso bis zur letzten Seite nicht abhanden. In den schnellen Dialogen, dem lakonischen Tonfall, den Reflexionen der Protagonisten über das Leben, wie auch in den Zeichnung des Ambiente bleibt er stilsicher und sprachlich beweglich. Ein beachtliches Debüt des 46jährigen Spaniers.Miguel Barroso: Wiedersehen in Havanna. Claasen Verlag. München 2000. 344 Seiten. 34 Mark

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