Kultur : Mit Schwung

Klaus Staeck erläutert sein erstes Akademie-Programm

Bernhard Schulz

Was war die Akademie der Künste doch für ein mit sich selbst vollauf beschäftigter Verein! Wie weggeblasen waren diese unguten Erinnerungen bei der gestrigen Jahrespressekonferenz, der ersten, die Klaus Staeck als Präsident leitete. Ein gewaltiges Arbeitsprogramm wurde am Pariser Platz vorgestellt, der mit einem Mal ahnen ließ, wie viel Leben sich mit Elan in ihm erwecken lässt.

Mit Johannes Odenthal ist erstmals ein „Programmbeauftragter“ gewonnen worden. Das Jahresprogramm ist beeindruckend: Da ist die Transmediale ab Ende Januar, da ist die nach vier Jahren wiederbelebte „Woche des Hörspiels“ Ende April, da ist ein Strauß von Ausstellungen zur Baukunst, so zum Hansaviertel, der der West-Berliner Stammsitz am Hanseatenweg als ein Höhepunkt zugehört, mit einer Übersicht zu „100 Jahre Deutscher Werkbund“, und mit einer lange überfälligen Ausstellung zu Hans Poelzig (1869-1936), von den Nazis aus Amt und Würden gejagt, gleich bedeutend als Baumeister wie als Lehrer. Nam June Paik, Alfred Döblin und Ruth Berghaus werden als einstige Mitglieder des Hohen Hauses in „langen Nächten“ gewürdigt; Walter Kempowski, der bereits Teile seines unermesslichen Archivs gestiftet hat, lässt Einblick nehmen in die „Lebensläufe“, die er als wichtigster Chronist der deutschen Vergangenheit ausgelotet hat.

„Kunst und öffentlicher Raum“ heißt die Leitlinie des Programms 2007, von Staeck gesetzt und gleich mit der großen Hans-Haacke-Ausstellung im November eingeleitet. Ende Februar beginnt zudem die Ausstellung „Raum. Orte der Kunst“, erstmals eine Veranstaltung in beiden Häusern der Akademie. Archivdirektor Wolfgang Trautwein konnte vom abgelaufenen Jahr 2006 als dem erfolgreichsten in der Archivgeschichte sprechen, mit 45 Einzelarchiven und 76 Archivergänzungen. Und selbst der Etat, belastet durch die unselige Leasing-Situation für das schwierige Haus am Pariser Platz, liest sich mit einem Mal viel angenehmer. Aufbruch ist angesagt, endlich, muss man sagen – gleichwohl: Spät ist nie zu spät.

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