Kultur : Mönch mit Peitsche

„Der Wixxer“ persifliert die Edgar-Wallace-Filme

Martin Schwickert

Wer heute um die 40 ist, hat mit diesen Filmen das Fürchten gelernt. Wenn es „Hallo, hier spricht Edgar Wallace“ aus dem Monolautsprecher schepperte und das Blut dunkelgrau über die Schwarz-Weiß-Mattscheibe floss, dann wurden die Schlafanzugbeine heruntergezogen und das Sofakissen vor den Bauch geschnürt. Die Wallace-Verfilmungen gehören zu den wenigen Werken der westdeutschen Popkultur der 60er, die sich einen Kultstatus erarbeitet haben. Jockel Fuchsberger als Ermittler, Eddi Arent als Witzfigur und die Glubschaugen des jungen Klaus Kinski entwickeln heute noch ein unwiderstehliches Trash-Appeal.

Wenn Hollywood Kultserien wie „Drei Engel für Charlie“ und „Starsky&Hutch“ recycelt, warum sollte das nicht auch mit den Wallace-Filmen gelingen? Diese Frage stellten sich wohl die Macher von „Der Wixxer“: Regisseur Tobi Baumann sowie die Autoren Oliver Kalkofe und Bastian Pastewka, die zu den wichtigsten Aktivisten der bundesdeutschen Comedy-Szene gehören. Wenn sich am Anfang Anke Engelke und Olli Dittrich als sächsische Touristen schnatternd den Weg nach Black-White-Castle bahnen, glaubt man den Film schon an den deutschen Schenkelklopfhumor verloren. Aber dann tritt der „Mönch mit der Peitsche“ ins Bild und ihm folgen weitere skurrile Helden des Wallace-Universums, die erfolgreich den Kampf gegen platte Comedy-Auswüchse aufnehmen.

„Der Wixxer“ ist gut, wenn er nahe an den Originalen bleibt und der Handlung vergnügt folgt. Zwar erinnert Kalkofe eher an Schimanski als an den gut gebügelten Fuchsberger. Aber Bastian Pastewka gibt mit Anzug und Melone eine gelungene Eddie-Arent-Reinkarnation ab.

Die beiden Herren von Scotland-Yard ermitteln gegen einen Übeltäter, der sich unter dem Decknamen „Der Wixxer“ durch die Londoner Unterwelt mordet. Mit sichtbarem Vergnügen plündert die liebevolle Verballhornung das Figurenarsenal der Wallace-Filme und lässt vom „Schwarzen Abt“ über den „Frosch mit der Maske“ bis hin zum „Hausmeister mit dem Cordhut“ Klassiker und Neuerfindungen auftreten. Anders als Bully Herbigs „Der Schuh des Manitu“, der das gleiche Prinzip auf die Karl-May-Filme anwendete, ist „Der Wixxer“ kein komödiantischer Egotrip. Die Grenze zwischen Blödeln und Verblödung wird selten überschritten. Vor allem überzeugt „Der Wixxer“ durch die ausstatterische Hingabe, mit der er diese pseudobritische, urdeutsche Krimiserie auferstehen lässt.

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