Kultur : Moralhorde!

Peter Handkes neues Schauspiel "Die Fahrt im Einbaum oder Das Stück zum Film vom Krieg" wird zum Politikum.Handke, für seine Parteinahme zugunsten Serbiens und seine selbstherrlichen Zweifel an weltweit dokumentierten Kriegsverbrechen im jüngsten Balkan-Krieg bekannt, hatte erst unlängst in TV- und Presse-Interviews die Haltung des Westens im Kosovo-Konflikt sowie bosnische Schriftsteller in Sarajevo beschimpft ("die üblichen Trinker", vgl.Tsp.vom 4.3.).Nun hat das Wiener Wochenmagazin "Format" erstmals längere Auszüge aus dem neuen Stück veröffentlicht.Handkes "Fahrt im Einbaum" soll unter Claus Peymanns Regie am 9.Juni im Burgtheater uraufgeführt werden und zuvor bereits als Buch im Frankfurter Suhrkamp Verlag erscheinen.

Derzeit aber wird der Text gegenüber Journalisten unter Verschluß gehalten.Nach Informationen des Tagesspiegels durften Schauspieler im Burgtheater die ihnen angebotenen Rollen teilweise nur unter Aufsicht einsehen, zwei Schauspielerinnen lehnten ihre Mitwirkung bereits ab.Das "Stück zum Film vom Krieg" zeigt einen amerikanischen und einen spanischen Filmregisseur (Vorbilder John Ford und Luis Buñuel) beim Casting im "Speisesaal eines großen Provinzhotels irgendwo im tiefsten oder innersten Balkan".Dort sprechen die Einheimischen als die gesuchten Darsteller vor, in Handkeschen Wendungen

FREMDENFÜHRER: Hallo, Nachbar.Wann begegnet man dir wieder auf dem Markt, mit deinem selbstangebauten Tabak, dem Waldhonig und den Pilzen?

WALDLÄUFER: Die Entminung ist immer noch nicht ganz beendet ...Aber im Mai bringe ich dir die ersten Erdbeeren, in die Hand.Rot die Berghänge im Mai wie Kelimteppiche.(...)

FREMDENFÜHRER: Was habt ihr im Krieg gemacht?

WALDLÄUFER: Ein paarmal bin ich im internationalen Fernsehen aufgetreten, so, mit der Flasche in der Hand, als der dritte Böse in der zweiten Reihe von links.Aber hauptsächlich habe ich gezittert und zittere immer noch.Und nach dem Krieg war ich fünf Jahre in einem Gefängnis in Deutschland, verurteilt von einem deutschländischen Richter, wegen Hilfe beim Völkermord."

Am Ende verzichten die Filmregisseure offenbar auf ihr Werk, denn die Welt-Gesellschaft ist ihnen nur noch eine gierige "Geld- und Moralhorde".Peymann, der das Stück auch ans Berliner Ensemble übernehmen will, plane laut "Format" noch vor der Wiener Premiere eine Ensemble-Reise nach Ex-Jugoslawien.

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