Mozartjahr : Uraufführung des "Allegro di Wolffgango Mozart"

Der unerwartete Höhepunkt zum Ausklang des Mozartjahres 2006 dauerte - mit Wiederholungen - rund drei Minuten: Ein bisher unbekanntes Klavierstück des jungen Mozart wurde erstmalig vor Publikum aufgeführt.

Salzburg - Das "Allegro di Wolffgango Mozart", in Salzburg bereits im Vorfeld der Uraufführung als kleine musikwissenschaftliche Sensation gefeiert, erhielt am Ende den überaus freundlichen Applaus der 200 geladenen Gäste in der Salzburger bischöflichen Residenz. "Es ist wirklich eine kleine Sensation", meint Ernst Hintermaier, Archivar der Erzdiözese Salzburg. "Denn wann entdeckt man heutzutage schon ein noch unbekanntes Stück von Mozart".

Dass Hintermaier das kleine Musikstück des Salzburger Genies (1756 - 1791) zusammen mit einigen anderen unbekannten Stücken im Rittersaal der Residenz der Weltöffentlichkeit präsentieren konnte, verdankt er einem glücklichen Zufall. Im Juni 2006 hatte er von einem Privatmann eine Sammlung alter Noten für sein Archiv gekauft. Die Kollektion erwies sich schon bald als wahres Schatzkästlein.

"Sehr wahrscheinlich authentische Kompositionen"

Das in zwei Teile zerbrochene Lederbuch aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts enthielt unter seinen insgesamt 118 einzelnen Klavierstücken - wie sich inzwischen herausstellte - auch vier Bearbeitungen Mozarts von eigenen Jugendwerken sowie "sehr wahrscheinlich authentische Kompositionen des sechs- bis zehnjährigen Mozarts". Diese sind laut Hintermaier zeitlich "zwischen Köchelverzeichnis Nummer 1 und 33 angesiedelt". "Musikalisch sind sie sicherlich eher simpel, aber sie zeigen schon Ansätze der Genialität Mozarts, wie sie sich in den viel spätere Klaviersonaten entfaltete."

Bei dem "Allegro di Wolffgango Mozart" sind sich die Musikwissenschaftler in Salzburg "ziemlich sicher". Nach Meinung von Christoph Großpietsch, Mozart-Forscher der Internationalen Stiftung Mozarteum, hatte der Verfasser der Notensammlung in den 60er Jahren des 18. Jahrhunderts einfach keinen Grund, Mozart zu fälschen und sich etwa mit den Federn des damals noch kleinen komponierenden Kindes Mozart zu schmücken. "Wir können zwar noch nicht exakt nachweisen, dass das jetzt gefundene Allegro tatsächlich eine Komposition von Mozart ist (...) Aber der Bezug zu Mozart ist eindeutig."

Abschrift des "Herausgebers"

Das Problem der Forscher: Das Allegro liegt nur in einer Abschrift des "Herausgebers" der Sammlung und nicht in Mozarts eigener Handschrift vor. Alle Indizien deuteten aber darauf hin, dass ein enger Freund der Familie Mozart, Wenzel Hebelt, das Notenblatt verfasst habe. Hebelt hatte auch mit Mozarts Vater Leopold zusammengearbeitet, erklärte Großpietsch bei der Uraufführung. Dennoch ist unklar, ob das Stück von den Salzburger Experten künftig mit einer eigenen Nummer ins Köchelverzeichnis aufgenommen wird, in dem alle Werke Mozarts bis zu seinem unvollendeten Requiem (KV 626) aufgelistet sind.

Weniger eindeutig als bei dem Allegro ist die Lage bei der ebenfalls in der Sammlung entdeckten "Aria", einem reifer und komplexer wirkenden Stück für Klavier. Auf diesem Notenblatt in derselben Handschrift wird Mozarts Name nicht erwähnt. Mozarteum-Wissenschaftler Großpietsch sagte dazu: "Es könnte von Mozart sein, muss aber nicht. Da wird wohl noch viel geforscht werden müssen." (Von Christian Fürst, dpa)

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