Kultur : Museumsinsel: Die ewige Not

Bernhard Schulz

Berlin ist klamm. Dass beim Weiterbau der Museumsinsel Verzögerungen drohen, weil es mit der Finanzierung hakt - wie zum wiederholten Mal behauptet und sogleich dementiert wurde -, kann folglich nicht überraschen. Natürlich klemmt die Finanzierung. Die ganze Konstruktion zur Überbrückung des Jahres 2001 ist prekär. So muss die Europäische Union Langmut zeigen, weil EU-Mittel für Tourismusvorhaben bereits eingeplant worden sind, ohne das bewilligte Bauvorhaben auf der "Insel" bereits in diesem Jahr beginnen zu können.

Natürlich ertönt auch wieder der Ruf nach dem Bund. Kultursenator Stölzl lässt ihn bei jeder Gelegenheit erschallen. Hier indessen ist er, wenn überhaupt, tatsächlich einmal am Platze; denn die Einrichtungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz sind nicht das Erbe Berlins, sie sind das Erbe Preußens und damit der ganzen Nation. Wenn die jahrzehntelang vernachlässigte Museumsinsel gegen 2010 wieder in einstigem Glanz erstrahlen soll, darf sich ihre Sanierung wahrlich nicht den Eventualitäten der Berliner Finanzpolitik beugen. Aber dann darf es nicht mehr um einzelne Finanzierungsraten gehen, dann muss die Konstruktion der Preußen-Stiftung insgesamt in den Blick kommen. Es war nach der Wiedervereinigung ein Fehler, die wenig zahlungsfreudigen Bundesländer mit Sitz und Stimme in der Stiftung zu belassen. Nun zeigt sich immer stärker, dass es offenbar ein Fehler ist, selbst das Sitzland Berlin noch länger zu berücksichtigen. Sollte sich die Stadt, ihrem Kultursenator Stölzl folgend, nicht besser auf das beschränken, was lokaler Natur ist, die nationalen Einrichtungen hingegen ganz dem Bund anheim geben?

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