Musical : "Schöne neue Welt" in Berlin

Das Berliner Grips-Theater hat sich offenbar die Bühnenrechte am nunmehr 70 Jahre alten Huxley-Klassiker "Schöne neue Welt" gesichert und will den Roman als Musical auf die Bühne bringen.

Berlin - Zum ersten Mal wird der über 70 Jahre alte Anti-Utopie-Klassiker "Schöne neue Welt" von Aldous Huxley aus dem Jahr 1932 auf der Bühne zu erleben sein. Das private Berliner Grips-Theater plant eine Bühnenfassung des Klassikers als Musical, geschrieben von Achim Gieseler und Volker Ludwig. Dass das Stück erst jetzt auf die Bühne kommt, hat mit der Witwe Huxleys, der 96-jährigen Laura Huxley zu tun. "Es war bisher niemandem gelungen, die Rechte für eine Bühnenumsetzung zu bekommen", sagte Ludwig, der für Buch und Songtexte verantwortlich ist.

Der Musiker Achim Gieseler habe "mit ihr Kaffee getrunken, bis er die Erlaubnis hatte". Da Laura Huxley den Amerikanern die Umsetzung des Romans nicht zutraue, halte sie die Arbeit in Europa für besser aufgehoben und habe ihm deshalb die nicht-englischsprachigen Bühnenrechte übertragen. Musical-Premiere ist am 2. November.

"Ziemliche Freiheiten" bei der Umsetzung

Für die Umsetzung hätten Gieseler und er selbst "ziemliche Freiheiten", sagte Ludwig. Es gebe ja nicht nur den Roman von 1932, sondern auch das von ihm selbst entworfene "Musical Comedy" aus den 50er Jahren, die aber nie aufgeführt wurde. Dort sei das Ende des Helden anders als im Roman.

"Schöne neue Welt" gehört zu den großen schwarzen Utopien des 20. Jahrhunderts. Im Gegensatz zu George Orwells "1984" ist Huxleys Grundsituation zunächst nicht düster und diktatorisch, sondern sehr verlockend. "Es ist eine hedonistische Welt einer ewig jungen Konsumgesellschaft, in der materielles Elend, Gewalt, Krankheit und Alter ebenso abgeschafft sind wie Liebe, Religion und schöpferisches Denken", sagte Ludwig. Es sei ein satirischer Blick auf die Gesellschaft von heute.

"Nicht dauernd Verweise auf die heutige Zeit"

Huxley selber hatte beim Schreiben seines Romans gedacht, die von ihm entworfene Gesellschaft finde in etwa 600 Jahren statt. "Bei uns auf der Bühne wird die Utopie in etwa 100 Jahren angesiedelt sein", sagte Ludwig. Einige Themen der Originalvorlage würden dabei ausgespart, da sie von der Zeit überholt wurden. "Das Stück soll nachdenklich machen, aber es gibt nicht dauernd diese Verweise auf die heutige Zeit", sagte der Autor.

Das Grips-Theater plant eine Laufzeit von mindestens drei Jahren für das Stück. "Wenn es gut läuft, wird es mindestens 150 Vorstellungen geben", sagte Ludwig. Das Interesse an dem Stück sei sehr groß. Drei Theater hätten sein Buch bereits für die Bühnenumsetzung gekauft. (tso/ddp)

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