Kultur : Musik in Berlin: Delikatessen

Eckart Schwinger

Der Thomanerchor und sein Kantor Georg Christoph Biller sorgten in Berlins musikalischer Weihnachtslandschaft für Abwechslung. Gleich zuBeginn des Konzertes mit dem BSO im Konzerthaus gewissermaßen eine Erstaufführung: Strawinskys Bearbeitung von Bachs Orgelvariationen über den Luther-Choral "Vom Himmel hoch, da komm ich her" für Chor und Orchester. Diesem Stück von Bach hat Strawinsky Farbkombinationen in den Bläsern, dynamische Impulse und sogar spiellaunige Züge beigemischt. Wobei der Chor nur den Cantus firmus zu singen hat. Biller fächerte das knifflige Geflecht locker auf und setzte von Anbeginn auf geschliffene Deklamation und heitere Transparenz. Beides dominierte auch bei den A cappella-Liedsätzen aus dem Weihnachtsliederbuch des Thomanerchores. Der gertenschlanke Klangstil, die subtile, pastellfarbene Stimmschönheit der Thomaner gaben nicht zuletzt dem Magnificat von Bach Profil. Eine weitere Überraschung: Biller ergänzte die gewohnte 2. Fassung mit den vier weihnachtlichen Einlagesätzen der 1. Fassung des Magnificat von 1723. Allenthalben mobilisierender Elan, natürlich ausschwingende Ausdrucks- und Bewegungsintensität, sinnfällige Phrasierung. Dabei gerieten das "Fecit potentiam" betont scharfzackig, kam das "Gloria" mit anspringender Frische herüber, während das pastorale Alt-Tenor-Duett "Et misericordia" in delikaten Farben flimmerte. Sehr gut die Balance zwischen den Solisten Ute Selbig, Annette Markert, Martin Petzold, Matthias Weichert und dem BSO.

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