Kultur : Musik in Berlin: Exzellenzen

Carsten Niemann

"Akademisch" ist in Musikerkreisen kein lobendes Beiwort. Doch wie steht es, wenn sich das Sinfonieorchester der sich seit neuestem mit dem stolzen Begriff der universitas schmückenden ehemaligen Hochschule der Künste auf dem Podium präsentiert? Mit großem Selbstbewusstsein zeigte sich das neu formierte Ensemble mit Anton Bruckners 8. Sinfonie, einem Hauptwerk der abendländischen Musiktradition. Und man tat es vor den zu Dutzenden zu diesem "Konzert für die Nationen" herbeigeeilten Botschaftern und Kulturattachés der in Berlin vertretenen Länder. Die Interpretation, die das Orchester unter Lutz Köhler darbot, war in zweierlei Hinsicht akademisch in gutem Sinne: Köhler ging die Vielfalt der Formteile nicht ohne Engagement, aber mit reflektierter Distanz an, ebenso besorgt um die innere Spannung des Werks wie um die vorteilhafte Präsentation seines Ensembles. Besonders eindringlich war seine orchestererzieherische Leistung bei den Streichern: Ihr homogener Klang sorgte zusammen mit klugen Phrasierungen für die große Einheitlichkeit und Sicherheit der Interpretation. Auf diesen sauber gewebten Untergrund war in wechselnder Präzision der Klang der übrigen Instrumentengruppen appliziert. Im vierten Satz gelangen Momente großer Einheitlichkeit, etwa, wenn die Holzbläser mit ihren Tonrepetitionen die Vielfalt der Motive mit sauberen Stichen zusammennähten. Und so war es ein weit mehr als diplomatischer Applaus, welchen die Exzellenzen den Ausführenden im Konzertsaal der Universität der Künste spendeten.

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