Musik-Preise : Drei Grammys gehen nach Deutschland

Der Produzent Andreas Neubronner, die WDR Big Band und der Saxophonist Michael Brecker sind die deutschen Gewinner der Grammy-Verleihung.

Los Angeles - Drei Grammys für Deutschland: Der Produzent Andreas Neubronner und die Big Band des Westdeutschen Rundfunks in Köln haben bei der Gala in Los Angeles die begehrten Trophäen eingeheimst. Der Stuttgarter Tonmeister erhielt den Preis zusammen mit dem San Francisco Symphonie-Orchester und Dirigent Michael Tilson Thomas für die Einspielung von Gustav Mahlers siebter Symphonie. Es ist bereits Neubronners fünfter Grammy.

Die WDR Big Band wurde für ihr Album "Some Skunk Funk - Live at Leverkusener Jazztage" mit dem höchsten Preis der amerikanischen Musikindustrie gewürdigt. Die Aufnahme entstand 2003 mit den Jazz-Musikern Randy und Michael Brecker, die alle zehn eingespielten Stücke geschrieben hatten. Jim Beard, Will Lee, Peter Erskine und Marcio Doctor waren ebenfalls als Instrumentalisten mit von der Partie. Das Titelstück des in Leverkusen aufgezeichneten Albums erhielt bei der 49. Grammy-Verleihung noch einen weiteren Grammy. Für das Saxophon-Solo wurde Michael Brecker posthum in der Kategorie "Best Jazz Instrumental Solo" geehrt. Brecker war am 13. Januar an Leukämie gestorben.

Die Jazz-CD wurde 2005 veröffentlicht. "Der Grammy zeigt einmal mehr, dass unsere Big Band in der Weltliga des Jazz spielt", sagte Hörfunkdirektorin Monika Piel.

Cellisten der Berliner Philharomiker bleiben ohne Preis

Die meisten deutschen Musiker gingen aber leer aus. So musste das Freiburger Barockorchester, das mit der Mozart-Oper "Titus" ("La Clemenza di Tito") unter Leitung des belgischen Dirigenten René Jacobs gleich doppelt nominiert war, auf die Auszeichnung verzichten. Auch Bass-Bariton Thomas Quasthoff, Spitzengeiger Gidon Kremer und "Die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker" konnten sich gegen die starke internationale Konkurrenz nicht durchsetzen.

In der Kategorie Bester Soloauftritt mit Orchester hatte es gleich drei deutsche Nominierungen gegeben: das Leipziger Gewandhausorchester mit Nelson Freire, das Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken mit Peter Sheppard Skaerved sowie die Berliner Philharmoniker mit Leif Ove Andsnes. Sieger wurde jedoch das Cleveland Chamber Symphony mit der Pianistin Angelin Chang.

Osvaldo Golijov doppelt geehrt

Doppelt geehrt wurde der in den USA lebende argentinische Komponist Osvaldo Golijov, der als einer der innovativsten Gegenwartsmusiker gilt. Seine Oper "Ainadamar: Fountain Of Tears" erhielt je einen Grammy als beste Komposition und als beste Opernaufnahme. Auch dem San Francisco Symphonie-Orchester gelang ein Doppelschlag: Seine Interpretation von Mahlers Siebter bekam je einen Preis als bester Orchesterauftritt und als bestes Klassik-Album.

Produzent Neubronner hat mit den kalifornischen Musikern schon mehrfach erfolgreich zusammengearbeitet. Auch für die Einspielung der dritten und der sechsten Symphonie Mahlers hatte das Team bereits je einen Grammy erhalten. Der an der Musikakademie Detmold ausgebildete Tonmeister betreibt seit 1987 gemeinsam mit drei Kollegen die Tritonus Musikproduktion GmbH in Stuttgart, die sich auf hochprofessionelle Aufnahmen klassischer Musik spezialisiert hat.

Elaine Martone Produzentin des Jahres

Als Produzentin des Jahres wurde die Amerikanerin Elaine Martone ausgezeichnet; sie schlug unter anderem Manfred Eicher aus dem Rennen, der mit seinem Münchner Label ECM ebenfalls nominiert war. Der italienische Pianist Maurizio Pollini setzte sich mit den "Nocturnes" von Frederic Chopin als bester Solist gegen Gidon Kremers Bachsonaten durch. Und die amerikanische Mezzo-Sopranistin Lorraine Hunt Lieberson konnte mit Rilke-Liedern den deutschen Bass-Bariton Quasthoff ("Consider, My Soul") toppen. Ein Trost: Der beliebte Sänger hat schon drei Grammys in der Tasche.

Die goldenen Grammophone gelten als wichtigste Preise der internationalen Musikbranche. Sie werden in mehr als 100 Kategorien vergeben. Schwerpunkt ist die moderne Musik. (tso/dpa)

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