Kultur : Musikalische Problemzonen an der American Academy in Berlin

Rdh.

Prophete rechts, Prophete links, das Weltkind in der Mitte, das zeitgemäss der Moderator ist: Zumindest die vorzügliche Besetzung dieses Grundmusters der meisten Podiums-Diskussionen konnte man der American Academy bescheinigen, als sie es unternahm, mit einem Gespräch über die "Zukunft der Symphonie-Orchester" ihr Themen-Spektrum in die Dimension der Musik-Praxis auszuweiten. Der eine Part fiel auf Kurt Masur, einst Gewandhaus-Chef, nun Direktor der New Yorker Philharmonie. Auf der anderen Seite Leon Botstein, ein witziger Taussendsassa, der dirigiert - das American Symphony Orchestra -, doziert - am Bard College, New York -, es sollte wunder nehmen, wenn er nicht auch noch komponiert. Dazwischen die Musik-Professorin Karen Painter, Humboldt-Stipendiatin in Berlin. In Neuland stieß das Gespräch nicht gerade vor, aber es bestellte die Problemzonen des Musikbetriebs klug und einfallsreich. Der CD-Klassik-Markt, mit dem die Musikindustrie über Erfolg und Nicht-Erfolg entscheidet? Wird vom Internet zu Fall gebracht werden - keiner der beiden Musiker bedauerte es. Das Publikum von morgen? Muss so zeitig wie möglich herangezogen werden - Masur verschenkt Blockflöten an eine New Yorker Schule. Und natürlich teilten beide den Glauben daran, dass Musik-Förderung auch Standort-Förderung sei, mithin die Kommunen gut beraten seien - leuchtendes Beispiel für Masur: München -, sich ihre Orchester etwas kosten zu lassen. Übrigens war es doch ein Gespräch zweier Welten. Statuarisch Masur, im Hintergrund noch immer die Erfahrung der DDR selig - aufblitzend in der Ungehaltenheit, mit der er die Fragen der Moderatorin nach dem Verhältnis von Musik und Politik in der DDR abfertigte -, intellektuell vibrierend Botstein. Dessen Pointen verblüfften auch Masur: Das nächste Mal, so der New Yorker auf Zeit, möchte ich sie im Kabarett sehen.

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