Musiker aus Kiew bei YEC : Ungestüm

Zum dritten Mal gastiert das Symphonieorchester der Tschaikowsky-Akademie Kiew bei Young Euro Classic.

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Zum dritten Mal gastiert das Symphonieorchester der Tschaikowsky-Akademie Kiew bei Young Euro Classic. Und das Bedürfnis, Musik und Kultur der Ukraine zu präsentieren, versteht sich angesichts der dortigen bewaffneten Auseinandersetzungen fast von selbst. So hat man ausschließlich Eigenprodukte im Gepäck. Daran ändert auch nichts, dass das gewichtigste Werk von einem Russen stammt – die zweite Sinfonie von Peter Tschaikowsky ist mit ihrer Fülle ukrainischer Volkslieder die schönste Huldigung an das Land, in dem der Komponist einen glücklichen Urlaub verbrachte.

Hier kann das Orchester unter seinem Chefdirigenten Igor Palkin höchste Professionalität zeigen. Als Studenten der Musikakademie sind seine Mitglieder etwas reifer als die vieler anderer Jugendorchester. So ist die technische Perfektion und Präzision, das Eingespieltsein in kluger Klangbalance, die Homogenität des Streicherkörpers vielleicht weniger verwunderlich und doch beglückend im jugendlichen Schwung, dem jede stumpfe Routine fremd ist. Nach dem mitreißenden, Herzschmerz, Sinn für große Klangräume und schmetternden Triumph ins richtige Verhältnis setzenden Tschaikowsky (mit einem Finale, dessen Hauptthema verblüffend an Mussorgskys „Großes Tor von Kiew“ erinnert) geht es mit einer genuin ukrainischen Komposition in pathetischere Gefilde: In „Stagnation“ will der 1986 geborene Andrij Merchel Angst- und Entfremdungszustände beschreiben. Das funktioniert. Der Kontrast von katastrophischen Klangballungen und schmerzlicher Lyrik behält lange seine Kraft.

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