NACHRICHTEN : Klimt und die NS-Raubkunst

Skandal im Wiener Leopold-Museum.

Foto: Carsten Rehder/dpa
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Der Streit um die im September gegründete Klimt-Ucicky-Foundation und das Wiener Leopold-Museum spitzt sich zu. Ende Oktober hatte der künstlerische Direktor des Hauses, Tobias G. Natter, wegen personeller Verflechtungen zwischen der Foundation und dem Museum seinen Rücktritt bekannt gegeben. Der Kaufmännische Museumsdirektor Peter Weinhäupl sitzt auf Lebenszeit auch im Vorstand der Stiftung. Am Montag befasste sich der Museumsvorstand mit dem Thema und gab bekannt, er habe „einstimmige Beschlüsse“ zur Führung des Hauses gefasst und Natter dienstfrei gestellt. Der scheidende Direktor äußerte nun seine Enttäuschung darüber, dass die Hoffnung auf mehr Transparenz sich nicht erfüllt habe.

Der Grund für seine Kündigung: In die Foundation brachte Ursula Ucicky, die Witwe von Klimts unehelichem Sohn Gustav Ucicky, der den NS-Film „Heimkehr“ drehte, 14 Werke des Malers ein, vier Gemälde, zehn Zeichnungen und Nachlassmaterialien. Experten zufolge gilt Ucicky als Protagonist beim Raub von Klimt-Werken in der NS-Zeit. Bei zumindest einem der in die Foundation übertragenen Werk, dem „Bildnis Gertrud Loew“ (1902), ist die Provenienz umstritten. Im dreiköpfigem Stiftungsvorstand sitzen neben Peter Weinhäupl dessen Lebensgefährtin Sandra Tretter, bis vor kurzem ebenfalls Museums-Mitarbeiterin, und ein Bruder von Weinhäupl.

Die Sammlerwitwe Elisabeth Leopold zeigte sich über den Vorfall entsetzt: „Ich möchte mit dieser Stiftung nichts zu tun haben. Es stört mich, dass wir jetzt wieder mit Raubkunst in Verbindung gebracht werden,“ sagte sie dem Wiener „Kurier“. Das Museum hatte in der Vergangenheit Bilder restituieren müssen, die aus vormals jüdischem Eigentum stammen. Die Israelitische Kultusgemeinde forderte nun die Auflösung des Hauses. Tsp

Schauspieler Hans von Borsody

gestorben

Der Film- und Theaterschauspieler Hans von Borsody ist am Montag mit 84 Jahren in Kiel gestorben. Bekannt wurde er vor allem als ZDF-Fernsehdetektiv „Cliff Dexter“ (1966–68), mit Auftritten in Heimat- und Abenteuerfilmen sowie in Boulevardkomödien. Aber auch als Goethes „Faust“ oder als Cyrano de Bergerac in Wien und Andernach stand er auf der Bühne, seine Lebensrolle, wie er sagte . Im Kino war er im Kriegsdrama „Die Brücke von Arnheim“ zu sehen. Hans von Borsody wurde am 20. September 1929 als Sohn des Filmregisseurs Eduard von Borsody und der Musikerin Maria Hochreiter in Wien geboren. Von 1950 bis 1952 absolvierte er ein Schauspielstudium am Wiener Max-Reinhardt-Seminar und stand später auf Bühnen, in München, Wien, Frankfurt, Düsseldorf, Berlin und Hamburg sowie vor der Kamera für TV-Serien wie „Forsthaus Falkenau“ oder „Klinik unter Palmen“. Zuletzt war er in diesem Herbst unter Regie von Joseph Vilsmaier in der ARD-Verfilmung des Volksstücks „Der Meineidbauer“ zu sehen, in der auch seine Tochter Suzanne auftrat. Tsp/dpa



Ai legt sich bei Filmfestival in Stockholm mit Chinas Führung an

Der chinesische Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei hat sich zum Auftakt des Stockholmer Filmfestivals am Dienstag einmal mehr mit der Pekinger Führung angelegt. In einer auf Video aufgenommenen Grußadresse erklärte er sein Bedauern darüber, dass er als Jurymitglied wegen des Reiseverbots nicht kommen könne. Ein von ihm entworfener leerer Stuhl, den er von China nach Stockholm schickte, steht bei dem Festival symbolisch für Ai Weiwei. Er hoffe, so verdeutlichen zu können, wie die chinesischen Behörden die Meinungs- und Reisefreiheit sowie „grundlegende Menschenrechte rücksichtslos und ohne jede Erklärung einschränken“, hieß es in der Videobotschaft. Am 9. November, dem Tag des Mauerfalls 1989, ist Ai virtueller Stargast bei der internationalen Falling Walls Conference in Berlin. Per Videozuschaltung aus China will er zusammen mit dem isländischen Künstler Olafur Eliasson eine digitale Plattform für Meinungsfreiheit vorstellen.AFP

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