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Nachruf : Der Weltenwanderer: Zum Tod des Schweizer Regisseurs Peter Liechti

Für "Vaters Garten" erhielt er 2013 den Preis der Tagesspiegel-Leserjury: Nun ist der Dokumentarfilmer Peter Liechti mit 63 Jahren gestorben.

Christiane Peitz
Peter Liechti bedankt sich für den Preis der Leserjury, mit dem sein Film „Vaters Garten – die Liebe meiner Eltern“ geehrt wurde.
Peter Liechti bedankt sich für den Preis der Leserjury, mit dem sein Film „Vaters Garten – die Liebe meiner Eltern“ geehrt wurde.Foto: Berlinale

Letztes Jahr hat ihm die Berlinale-Leserjury des Tagesspiegels ihren Preis verliehen, für „Vaters Garten - Die Liebe meiner Eltern“, seinen Dokumentaressay über die eigenen Eltern. Bei der Preisverleihung erzählte Peter Liechti von seinen alten Eltern, über die er auch ein Buch geschrieben hat. Davon, wie sie ihm beteuert hatten, dass bestimmt kein Mensch einen Film über sie sehen wolle – und wie froh er sei, das Projekt dennoch realisiert zu haben. Nun ist „Vaters Garten – Die Liebe meiner Eltern“ der letzte Film des Sohns geworden. Am vergangenen Freitag ist der Schweizer Filmemacher im Alter von 63 Jahren gestorben.

Peter Liechti war ein Überraschungskünstler, ein Fremd- und Grenzgänger, der gern zwischen Bildender Kunst, Film und Literatur nomadisierte. Nur einen einzigen Spielfilm hat er gedreht, das winterliche Liebestraumdrama .„Marthas Garten“ (1997), während er den Rahmen des Dokumentarfilmgenres jedes Mal behutsam sprengte. So ergänzter er in „Vaters Garten“ die Auftritte des ordnungsliebenden Vaters und der eher ängstlichen, gläubigen Mutter durch das Spiel von Hasenpuppen, mit denen er die feinen Spannungen der über 60 Jahre währenden Ehe der Eltern in Szene setzte.

Den „ Spagat zwischen zärtlichem Porträt und der gleichzeitigen Offenbarung der eigenen Verletzlichkeit“, wie die Tagesspiegel-Leserjury in ihrer Begründung schrieb, hat Liechti häufig gewagt. All seine Kinoproduktionen – Essays, Experimentelles, Musikfilme, Künstlerporträts – leben von Empathie, von leisem Humor und einer staunenden, fragenden Haltung gegenüber der Welt.

Der durchweg persönliche Ton seiner Filme (ergänzt um sorgsam gestaltete Soundcollagen) hatte etwas Entwaffnendes. Das konnte man auch auf der Werkschau erleben, die das Berliner Arsenal-Kino ihm erst im März gewidmet hat. In „Hans im Glück“ (2003) begleitet er sich selbst mit der Kamera, als er sich auf Fußmärschen von Zürich nach St. Gallen (wo er am 8. Januar 1951 geboren wurde) das Rauchen abzugewöhnen versucht. In „Signers Koffer“ (1996) und vier weiteren Filmen beobachtet er den Aktionskünstler Roman Signer bei dessen heiter-anarchischen Performances mit Feuerwerkskörpern und anderen explosiven Stoffen.

Ob Liechti nun einem multinationalen Musikensemble durch Namibia folgte („Namibia Crossings“, 2004) oder einem Mann, der zum Sterben in den Wald geht („Das Summen der Insekten“, 2009, Europäischer Dokumentarfilmpreis), – stets bewegte er sich als Wanderer zwischen den Welten. Nun ist der Schweizer „Solitär“ und „radikale Querkopf“ (Arsenal) selbst in eine andere Welt hinübergewandert: Die Solothurner Filmtage hatten Liechti noch Ende Januar mit einem Spezialprogramm gewürdigt, in Anwesenheit des Filmemachers. Den Schweizer Filmpreis Quartz für den besten Dokumentarfilm für "Vaters Garten" konnte er schon nicht mehr selber entgegennehmen.

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